Volkswagen Fürs Gesamtjahr sieht es düster aus

Alte Modelle und Zurückhaltung der Käufer machen Volkswagen in diesem Jahr zu schaffen. Der Wolfsburger Autokonzern wird am heutigen Freitag nach Einschätzung von Analysten ein deutlich niedrigeres Quartalsergebnis für die ersten drei Monate ausweisen als noch vor einem Jahr - und das ist erst der Anfang.


Alles hängt am Golf: VW-Neuwagen in Wolfsburg
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Alles hängt am Golf: VW-Neuwagen in Wolfsburg

Wolfsburg - Jürgen Pieper hält mit seiner Kritik an der überalterten Modellpalette von VW Chart zeigen nicht hinter dem Berg. "Das zentrale Modell, der Golf, ist in der aktuellen Version schon seit rund fünf Jahren am Markt, da kann man nicht mehr viel erwarten", sagt der Analyst vom Bankhaus Metzler. Er zweifelt daran, dass Volkswagen den vom neuen Konzernchef Bernd Pischetsrieder aufgebauten hohen Erwartungsdruck in diesem Jahr erfüllen kann. Für das vergangene Quartal sei allenfalls ein Vorsteuerergebnis von 1,17 Milliarden Euro zu erwarten.

Europas größter Automobilkonzern selbst hatte unlängst ein Quartalsergebnis vor Steuern von 1,245 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, das deutlich unter dem entsprechenden Wert des Vorjahres liegt.

Damit wankt nach Meinung der Experten auch die ambitionierte Prognose Pischetsrieders für das Gesamtjahr. Der Nachfolger von Ferdinand Piëch hatte den Aktionären im März einen im Vergleich zum Vorjahr stabilen Gewinn in Aussicht gestellt. VW hatte 2001 einen Rekordgewinn vor Steuern von 4,41 Milliarden Euro eingefahren.

Sorgenkind Heimatmarkt

Vor allem in Westeuropa und auf dem Heimatmarkt Deutschland haben die Wolfsburger zurzeit nichts zu lachen: Die Zahl der Auslieferungen sank um 6,8 Prozent, vor allem die Markengruppe VW verlor mit einem Minus von neun Prozent Marktanteile. Unverändert schlecht geht es in der flauen Autokonjunktur der Nutzfahrzeugsparte des Konzerns, die zwischen Januar und März rund 67.000 Fahrzeuge auslieferte - 8,8 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor.

Da hilft auch das Absatz-Plus von 0,3 Prozent bei Audi kaum weiter. Und auch aus den USA gibt es nur wenig Rückenwind. Allerdings: Jenseits des Atlantiks verkaufte Volkswagen in den ersten vier Monaten 2002 rund 105.000 Fahrzeuge - immerhin ein Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der April-Absatz war sogar um 3,4 Prozent besser als ein Jahr zuvor - doch der zählt nicht mehr zum Quartalsabschluss.

Prognose für das Gesamtjahr wohl nicht zu halten

Autoanalyst Arndt Ellinghorst von WestLB Panmure rechnet deshalb mit einem Einbruch des Vorsteuerergebnis um rund 30 Prozent auf 894 Millionen Euro. Der Konzern selbst habe die Erwartungen der Investoren für das erste Quartal bereits vor kurzem selbst gedämpft - allerdings an seiner ambitionierten Prognose für das Gesamtjahr festgehalten. "Und das, obwohl VW nicht unter Druck stand, einen derart zuversichtlichen Ergebnisausblick zu geben."

Probleme für VW in diesem und im kommenden Jahr erwartet auch Oliver Girzick von der Bayerischen Landesbank. "Im ersten Quartal war eine der größten Belastungen noch, dass der neue Polo nicht in allen Märkten drin war, aber ansonsten laufen alle wichtigen Modelle demnächst aus." Girzick rechnet mit einem Vorsteuergewinn im ersten Quartal von 975 Millionen Euro, und bleibt ebenso wie seine Kollegen skeptisch: "VW wird sich 2002 und 2003 schwer tun."



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