Volkswagen-Krise Pischetsrieder kündigt Modelloffensive an

Trotz der gegenwärtigen Flaute der Autoindustrie sieht Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder gute Wachstumschancen. Für das kommende Jahr kündigte der wegen schlechter Absatzzahlen unter Druck stehende Manager acht neue Modelle an.


Bernd Pischetsrieder mit neuem Golf GTI: Ferdinand Piechs Nachfolger agiert bisher eher glücklos

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Berlin - Die Autoindustrie sei eine Wachstumsbranche, sagte Pischetsrieder der "Berliner Zeitung". Der Bedarf an Mobilität sei weltweit längst nicht befriedigt. Prognosen zeigten, dass in zehn Jahren jährlich 75 Millionen Fahrzeuge verkauft werden könnten. "Jetzt liegen wir etwa bei 56 Millionen", erklärte Pischetsrieder.

Der Wolfsburger Konzern wolle von diesen Chancen profitieren. Pischetsrieder sagte, Volkswagen Chart zeigen wolle im nächsten Jahr acht neue Modelle auf den Markt bringen, "die bisher von uns nicht bediente Segmente erschließen sollen". Er fügte hinzu: "Wir haben allerdings nicht den Ehrgeiz, dass VW der größte Autohersteller wird, sondern einer der profitabelsten."

Pischetsrieder machte klar, dass VW an der Produktion von Luxus-Autos festhält. "Die strategische Entscheidung, in die Luxussparte zu gehen, ist nach wie vor richtig", sagte er. Um sich im Luxusmarkt zu etablieren, brauche man aber Zeit. "Wenn man so eine Entscheidung trifft, wie den Phaeton zu bauen, braucht man einen langen Atem. Den haben wir", sagte der Volkswagen-Chef.

Weiter schwierige Tarifverhandlungen

Die Tarifverhandlungen bei VW werden am heutigen Dienstag in Hannover fortgesetzt. Eine wesentliche Annäherung wurde im Vorfeld nicht erwartet. Die erste Tarifrunde für die 103.000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke war Mitte September ergebnislos vertagt worden. Die IG Metall verlangt neben Arbeitsplatzgarantien 4 Prozent mehr Geld. VW will die Arbeitskosten bis 2011 um rund zwei Milliarden Euro oder 30 Prozent senken und eine zweijährige Nullrunde bei den Löhnen und Gehältern durchsetzen.

Pischetsrieder sagte der "Berliner Zeitung": "Klar ist, dass wir mit dem Tarifabschluss unserem Ziel, die Produktionskosten bis 2011 um 30 Prozent zu senken, näher kommen müssen." Während der Konzern unter anderem Lohn-Nullrunden der Beschäftigten und noch flexiblere Arbeitszeiten fordert, wollen die Gewerkschaften konkrete Jobgarantien und vier Prozent mehr Lohn durchsetzen.



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