Vollstreckungslandkarte Alle 20 Sekunden ein Kuckuck

Gläubiger schalten zum Eintreiben ihrer Außenstände immer öfter Anwälte und Inkassobüros ein. Einer Studie zufolge ist die Zahl der Vollstreckungen und Zwangsversteigerungen in Deutschland 2004 weiter angestiegen, alle 20 Sekunden wird irgendwo gepfändet.


Pfandsiegel: 44 Zwangsmaßnahmen je 1000 Einwohner
DDP

Pfandsiegel: 44 Zwangsmaßnahmen je 1000 Einwohner

Bremen/Hamburg - Zahlungsschwierigkeiten deutscher Bürger haben immer häufiger auch drastische rechtliche Folgen. So wurde im vergangenen Jahr in Deutschland alle 20 Sekunden ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss beim Amtsgericht beantragt. Das ergibt sich aus einer Studie des Unternehmens Seghorn Inkasso. Insgesamt zählte das Bremer Unternehmen 1,5 Millionen Fälle. Alle 30 Sekunden werde eine Eidesstattliche Versicherung (1.072.105 Fälle) abgenommen.

Insgesamt wurden 2004 mit 3.632.881 Vorgängen bei den Amtsgerichten 3,3 Prozent mehr Vollstreckungssachen, Zwangsversteigerungen und Zwangsverwaltungen als 2003 registriert. Auf die Bevölkerung umgerechnet waren das im Durchschnitt 44 Zwangsmaßnahmen je 1000 Einwohner.

Vollstreckungskarte 2004: Klicken Sie auf das Bild, um zur Übersicht zu gelangen

Vollstreckungskarte 2004: Klicken Sie auf das Bild, um zur Übersicht zu gelangen

Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der Fälle, in denen der Immobilienbesitz unter den Hammer kommt. Im Jahr 2004 wurden gegenüber 2003 mit 91.991 Fällen 5,5 Prozent mehr Zwangsversteigerungen von Immobilien in Gang gesetzt. Etwa alle sechs Minuten wird mittlerweile eine Zwangsversteigerung beim Amtsgericht beantragt.

Starker Anstieg in Thüringen und Sachsen

Die meisten Vollstreckungen wurden mit 59,4 pro 1000 Einwohner in Berlin veranlasst (siehe Grafik), die wenigsten mit 37,1 in Bayern. Die stärkste Zunahme verzeichnete Thüringen mit plus 7,6 Prozent vor Sachsen-Anhalt mit plus 6,1 Prozent und Bayern mit plus 5,6 Prozent. Einen Rückgang der Vollstreckungsvorgänge meldete Schleswig-Holstein mit minus 1,3 Prozent vor Brandenburg mit minus einem Prozent und dem Saarland mit minus 0,7 Prozent.

Bei den Städten lagen hinter dem Spitzenreiter Berlin die Landgerichtsbezirke Duisburg mit 58,5 und Mönchengladbach mit 56,9 Fällen. Am wenigsten Fälle zählten die Landgerichtsbezirke Würzburg und Ansbach mit jeweils 30,9 sowie Weiden mit 31,6 Fällen pro 1000 Einwohner.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.