SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

01. April 2009, 21:16 Uhr

Von GM bis VW

US-Umsätze von Autobauern brechen dramatisch ein

Die Absatzkrise trifft die Autokonzerne mit voller Wucht: Die Umsätze von Volkswagen und BMW auf dem US-Markt brachen um ein Fünftel ein - GM, Ford und Toyota müssen sogar ein Minus von 40 Prozent verkraften. Trotzdem sprechen die Konzerne von "Zeichen der Hoffnung".

Detroit - Die Wirtschaftskrise trifft die Unternehmen der Autobranche hart - und auch im vergangenen Monat war kein Aufschwung auf dem US-Automarkt in Sicht: Volkswagen hat im März in den USA fast 20 Prozent weniger Fahrzeuge als vor einem Jahr verkauft. Der Wolfsburger Dax-Konzern konnte nur noch 15.720 Wagen absetzen, wie die US-Tochter am Mittwoch mitteilte. Erfolgreich habe sich immerhin das neue Passat-Coupé CC mit mehr als 2300 verkauften Fahrzeugen entwickelt.

VW-Firmenlogo in Wolfsburg: Die Absatzkrise hält an
DPA

VW-Firmenlogo in Wolfsburg: Die Absatzkrise hält an

Beim in den USA wichtigsten Modell, dem Jetta, gab es hingegen ein Minus von mehr als 14 Prozent auf knapp 7400 Autos. Der Absatz des New Beetle sackte um mehr als 60 Prozent auf nur noch 834 Wagen ab. Volkswagen of America setzt in diesem Jahr Hoffnungen in die Diesel-Version des Geländewagens Touareg sowie die Markteinführung des neuen Golf im Jahresverlauf. Im März fielen die Touareg-Verkäufe noch um 70 Prozent auf 236 Fahrzeuge.

Auch BMW hat in den USA im März einen Absatzeinbruch von 22,9 Prozent verzeichnet. Im vergangenen Monat seien 21.125 Fahrzeuge verkauft worden, teilte der Autobauer am Mittwoch mit. Von der Marke BMW wurden 24,2 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft, beim Mini ging der Absatz um 15,9 Prozent zurück.

Ebenso trübe Aussichten beim Stuttgarter Autobauer Daimler : Der Konzern verkaufte im März in den USA 23 Prozent weniger Pkw. Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars setzte knapp 17.350 Fahrzeuge ab, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Davon entfielen rund 15.600 auf die Marke Mercedes-Benz. Dies entspricht einem Rückgang von einem Viertel gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Citywagen smart erzielte mit 1.746 Einheiten ein Prozent Zuwachs.

Kleinwagen im Aufwärtstrend

Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei den beiden Marken auch im gesamten ersten Quartal: Während die Verkäufe der Kernmarke um 30 Prozent auf rund 40.200 Fahrzeuge zurückgingen, konnte smart um 42 Prozent auf 4.937 Stück zulegen. Allerdings wurde der Citywagen im vergangenen Jahr erst Mitte Januar auf dem US-Markt eingeführt.

Der Sportwagenbauer Porsche verkaufte im gleichen Zeitraum in Nordamerika 27 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft. Der Absatz betrug 1921 Wagen, wie das Stuttgarter Unternehmen mitteilte. Von der Sportwagen-Baureihe 911 wurden mit 609 Stück gut ein Viertel weniger abgesetzt. Heftiger fiel der Rückgang bei der günstigere Boxster-Baureihe aus. Von dem Cabrio-Modell sowie der Coupe-Version Cayman gingen 334 Fahrzeuge an die Kunden, ein Minus von 42 Prozent.

Besonders hart traf es den von der Insolvenz bedrohten Opel-Mutterkonzern General Motors (GM): Dieser erlitt im März im US-Heimatmarkt einen Absatzrückgang von 45 Prozent. Der einst größte Automobilhersteller der Welt verkaufte nur noch 156.380 Fahrzeuge, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Trotz des deutlichen Einbruchs im Jahresvergleich sahen die Autobauer Anzeichen für eine leichte Besserung der Lage. "Im Vergleich zu Januar und Februar weisen die Verkäufe bei GM und in der Branche wieder Zeichen von Leben auf", erklärte der Nordamerika-Vizechef von General Motors, Mark LaNeve. Chrysler-Vizepräsident Jim Press sagte: "Es ist zu früh, von einem Trend zu sprechen, aber der Frühling bringt Zeichen der Hoffnung."

General Motors hat bereits Milliardenhilfen von der US-Regierung erhalten und bekam zu Wochenbeginn eine letzte Frist von 60 Tagen eingeräumt, um einen nachhaltigen Sanierungsplan vorzulegen. Derzeit machen jedoch Spekulationen über eine "Blitz-Insolvenz" des Unternehmens die Runde. Dadurch solle eine Sanierung beschleunigt werden.

Minus 37 Prozent für Toyota

Auch der Absatz des US-Autokonzerns Ford fiel im Heimatmarkt dramatisch schlecht aus. Im Jahresvergleich fielen die Verkäufe um 41 Prozent. Es wurden 131. 500 Fahrzeuge der Marken Ford, Lincoln, Mercury sowie der schwedischen Tochter Volvo abgesetzt, wie der US-Konzern am Mittwoch mitteilte. Im gesamten ersten Quartal brach der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent auf 324. 400 Wagen ein. Die Verkäufe der Geländewagen fielen im ersten Quartal um zwei Drittel.

General Motors und Chrysler kämpfen derzeit ums Überleben. Die US-Regierung hat weitere Finanzhilfen von einer umfassenden Umstrukturierung und im Fall von Chrysler vom Einstieg des italienischen Autokonzerns Fiat abhängig gemacht. Ford kann die Krise nach eigenen Angaben ohne Steuergelder überstehen.

Der japanische Automobilhersteller Toyota verkaufte in den USA im vergangenen Monat 37 Prozent weniger Fahrzeuge. Der Absatz ging auf 132.800 Stück zurück. Dabei sank die Nachfrage bei der Luxus-Marke Lexus stärker als bei der Kernmarke Toyota. Nach den ersten drei Monaten des Jahres betrug das Absatzminus bei Toyota insgesamt 36 Prozent auf 359.700 Wagen. Im vergangenen Jahr hatten die Japaner im ersten Quartal 571.700 Fahrzeuge auf dem US-Markt verkauft.

amz/dpa

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung