Vor Havarie im Suezkanal Crew der »Ever Given« malte einen Penis ins Meer

Der Containerfrachter »Ever Given« steckt im Suezkanal fest. Am Tag nach der Havarie macht er Schlagzeilen damit, was vor dem Einlaufen in den Kanal passierte: Das Schiff fuhr einen höchst ungewöhnlichen Kurs.
Die Kurslinie der »Ever Given«, als sie auf die Erlaubnis wartet, in den Suezkanal einzulaufen. Aufgenommen vom Vesseltracker

Die Kurslinie der »Ever Given«, als sie auf die Erlaubnis wartet, in den Suezkanal einzulaufen. Aufgenommen vom Vesseltracker

Foto: VesselFinder / YouTube

Das Schiff steckt noch immer fest und bewegt sich keinen Zentimeter. Am Dienstagmorgen ist die »Ever Given«, ein unter der Flagge Panamas fahrender Riesen-Containerfrachter, von Süden kommend in den Suezkanal eingelaufen. Nach nur sechs Kilometern legte sich der Gigant plötzlich quer. Mit seinem Wulstbug bohrte sich das Schiff tief in das Ostufer des Kanals, das Heck blieb im Westufer hängen. Eine stürmische Bö, die ihn vom Kurs abbrachte? Schlechte Sicht wegen eines Sandsturms? Ein technisches Malheur? Oder menschliches Versagen? Bis jetzt gibt es keine offizielle Auskunft dazu.

Keinem der im Kanal verfügbaren Schlepper, und das sind nicht wenige, ist es bislang gelungen, die »Ever Given« aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Auf beiden Seiten des Kanals staut sich die Schifffahrt, rund hundert Schiffe – Frachter und Tanker – kommen nicht weiter. Die niederländischen Bergungsexperten von Smit Salvage haben dem SPIEGEL bestätigt, dass sie den Auftrag bekommen haben, das Schiff wieder flottzubekommen . Wie sie das angehen wollen? Wird nicht einfach, sagen sie.

So vielleicht? Ein Bagger versucht den Bug des Containerriesen »Ever Given« freizuschaufeln, der sich ins Ostufer des Kanals gebohrt hat

So vielleicht? Ein Bagger versucht den Bug des Containerriesen »Ever Given« freizuschaufeln, der sich ins Ostufer des Kanals gebohrt hat

Foto: - / dpa

Am Tag nach der Havarie macht der Frachter nun wieder Schlagzeilen – mit einem sonderbaren Video. Es zeigt die Bewegungen des Schiffs, die der elektronische Tracker aufgezeichnet hat, als der Kapitän auf das Signal zum Einlaufen in den Kanal wartete. Was anfangs wie sinnfreies Kritzeln wirkt, fügt sich im Zeitraffer des Videos zu einem deutlich erkennbarem Bild: Der Kapitän und seine Crew malten mit dem 400 Meter langen Schiff einen noch längeren Penis in das Meer.

Ist das echt? Das Unternehmen VesselFinder , das diesen Service betreibt, nämlich die elektronischen Spuren von Schiffen zu verfolgen und aufzunehmen, twittert es selbst:

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Wer sich das Manöver Wende für Wende anschauen will, bitte:

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Hat der sie noch alle? Fragt sich der neutrale Beobachter natürlich. Ein Großgerät mit einem versicherten Gesamtwert von vielleicht einer knappen Milliarde Euro – Schiff und Ladung zusammen – als Zeichenstift für einen offensichtlich gelangweilten Nautiker?

Was sagt denn das Management des Frachters dazu? Ein Sprecher von Bernhard Schulte Shipmanagement erklärt dem SPIEGEL: »Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schiffe, die auf die Einfahrt warten, vorher herummäandern.«

Mäandern? Auf die Frage, warum das virtuelle Fahrtmuster den männlichen Geschlechtsapparat zeige, behauptet der Sprecher, dies sei wahrscheinlich »purer Zufall«. Dabei braucht es wirklich nicht viel Fantasie, um das Motiv zu erkennen.

Allerdings wären die Steuerleute der »Ever Given« nicht die Ersten, die Penisse und Hoden in die Welt zeichnen. Flugzeugpiloten haben immer mal wieder ähnliche Einfälle . Auf die Nachfrage, ob es nun eine interne Untersuchung gebe, verweigert der Sprecher die Auskunft. Man konzentriere sich voll auf die Bergung, sagt er.

DER SPIEGEL

Am Donnerstagvormittag scheitert ein weiterer Versuch, die »Ever Given« freizukriegen. Was die Crew nun wohl unternimmt gegen die Langeweile an Bord?

clh/oka