Vor Krisengipfel Lufthansa warnt vor Job-Abbau

Drohgebärde oder ernsthafte Furcht? Nach Angaben der Lufthansa ist im Passagiergeschäft jeder vierte bis fünfte Arbeitsplatz in Gefahr. Die Botschaft erscheint unmittelbar vor einem Krisengespräch zwischen Lufthansa-Vorstand und Gewerkschaften.


Der Kranich strauchelt: Der Lufthansa-Vorstand schließt nicht aus, dass es Kündigungen geben wird
AP

Der Kranich strauchelt: Der Lufthansa-Vorstand schließt nicht aus, dass es Kündigungen geben wird

Frankfurt/Main - Die Lage bei der Fluglinie sei dramatischer, "als wir selber noch vor Wochen erwartet haben, und sie wird zunehmend kritischer", sagte Vorstand Wolfgang Mayrhuber dem "Lufthanseat" - der am Freitag erschienenen Zeitschrift für Lufthansa-Mitarbeiter. Nun seien drastische Kostensenkungen nötig. Ansonsten seien zumindest im Passagiergeschäft 20 bis 25 Prozent der Jobs bedroht. Das entspräche 6000 bis 7500 Stellen.

Diese Botschaft erreichte die Lufthansa-Belegschaft unmittelbar vor Beginn eines Krisengesprächs zwischen Vertretern des Konzerns, der Gewerkschaft Verdi und der Pilotenvereinigung Cockpit. Sie wollen über ein von Lufthansa-Chef Jürgen Weber vorgeschlagenes Sparpaket verhandeln, das unter anderem die Einführung der Vier-Tage-Woche bei entsprechendem Lohnverzicht vorsieht.

Im Interview mit der Mitarbeiterzeitschrift sagte Mayrhuber weiter, die Luftfahrtindustrie erlebe seit den Anschlägen vom 11. September und angesichts der ohnehin schlechten Konjunktur einen "senkrechten Absturz". Allein durch den verstärkten Umstieg der Fluggäste von der Business- in die Economy-Class werde bei der Lufthansa zurzeit täglich ein Geldwert vernichtet, der 60 Jahresarbeitsplätzen entspreche.

"Das ist eine unvorstellbare Größe", sagte der Vorstand, der für den Passagier-Bereich zuständig ist. Allein für das vierte Quartal rechnet die Lufthansa mit Umsatzeinbußen von 350 Millionen bis 500 Millionen Euro.

Mayrhuber unterstrich den Willen der Konzernführung, die Krise ohne betriebsbedingte Kündigungen zu überstehen. "Wir wollten uns nicht in den Reigen undifferenzierter Entlassungsankündiger einreihen." Auch wolle man weiterhin versuchen, "zusammen mit den Tarifpartnern Modelle zur deutlichen Begrenzung der Personalkosten zu vereinbaren".

Der Vorstand kündigte an, die Stilllegung weiterer Flugzeuge solle geprüft werden. Bis Januar 2002 will die Gesellschaft 51 Langstrecken- und 244 Mittelstreckenflüge einsparen.

Mayrhuber äußerte auch eine vage Hoffnung: Irgendwann könne der derzeitige Einbruch wieder durch erhöhten Reisebedarf ausgeglichen werden.



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