Vorstandsbezüge Untreue-Klage gegen Telekom-Bosse

Ein Aktienoptionsprogramm, das Telekom-Vorständen eine Milliarde Euro einbrachte, hat rechtliche Konsequenzen: Zwei renommierte Anwälte haben eine Strafanzeige erstattet, die sich unter anderem gegen Ex-Chef Ron Sommer und Nachfolger Helmut Sihler richtet.


Ex-Chef Sommer und Nachfolger Sihler: "Fehlerhafter" Plan für Aktienoptionen in Höhe von einer Milliarde Euro
AP

Ex-Chef Sommer und Nachfolger Sihler: "Fehlerhafter" Plan für Aktienoptionen in Höhe von einer Milliarde Euro

Bonn - Die Stuttgarter Wirtschaftsanwälte Mark Binz und Martin Sorg, die die Klage erhoben haben, sind keine Unbekannten: Beide haben bereits das Verfahren gegen den früheren Mannesmann-Chef, Klaus Esser, und die Mannesmann-Aufsichtsräte Josef Ackermann und Klaus Zwickel ins Rollen gebracht. In diesem Fall wird die Staatsanwaltschaft angeblich Klage erheben.

Binz und Sorg haben nun nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Anzeige gegen aktive und ehemalige Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Telekom erstattet. Der Vorwurf: Untreue.

Die Anwälte, die Steuerexperten und Wirtschaftsprüfer sind, werfen den Telekom-Verantwortlichen vor, durch einen Aktienoptionsplan im Jahr 2001 die Anteilseigner um mindestens 375 Millionen Euro geschädigt zu haben. Die Anzeige richte sich neben Sihler und Sommer unter anderem auch gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom, Hans-Dietrich Winkhaus. In einer ersten Stellungsnahme wies die Telekom die Vorwürfe noch am Sonntagabend zurück und nannte sie nicht nachvollziehbar.

Konkret gehe um einen so genannten Aktienoptionsplan für den Telekomvorstand, auf Grund dessen die Manager im Jahr 2001 Aktienoptionen im Gesamtwert von einer Milliarde Euro erhalten haben. Die Anwälte rügten, dass der Optionsplan fehlerhaft sei und dass die Aktionäre die diesen Plan auf der Hauptversammlung auf Empfehlung des Aufsichtsrats genehmigt hatten, von dem Kontrollgremium "grob wahrheitswidrig" über die Konsequenzen dieses Beschlusses informiert worden seien.

Der Vorstand habe gewusst, dass der Optionsplan als solcher und die tatsächliche Zuwendung von Optionen "nicht mit den Interessen der Aktionäre vereinbar" gewesen seien. Insofern hätten sich beide Gremien der Untreue schuldig gemacht.

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" heißt es, angezeigt worden sei auch Staatssekretär Heribert Zitzelsberger aus dem Bundesfinanzministerium. Die Anzeige, die dieser Zeitung vorliege, richte sich auch gegen die Erhöhung der Vorstandsvergütung um bis zu 90 Prozent. Als strafbar eingestuft werde außerdem die Abfindung, die Sommer für sein vorzeitiges Ausscheiden erhalte. Dies begünstige den Manager "unangemessen". Die Bezüge seien nicht an den Interessen des Unternehmens und seiner Aktionäre ausgerichtet, die dem Aufsichtsrat anvertraut seien.



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