Vorwürfe der Gewerkschaft Post will laut Ver.di 900 Filialen schließen

Aufregung bei Ver.di: Die Deutsche Post will nach Informationen der Gewerkschaft und des Postagenturnehmerverbands 900 eigene Filialen schließen. Das Unternehmen dementiert.


Bielefeld - Selbst für Räumlichkeiten und Mitarbeiter zu sorgen, ist teuer - deshalb wandelt die Post immer wieder eigene Filialen in Partner-Filialen um. Dabei bietet ein Mittelständler die Postdienstleistungen im eigenen Geschäft an. Soll diese Strategie im großen Stil weiterverfolgt werden? Oder will die Post ihr Netz gar durch die ersatzlose Schließung eigener Filialen ausdünnen?

Posttower in Bonn: Ein Postsprecher erklärt, das gesamte Filialnetz werde überprüft
AP

Posttower in Bonn: Ein Postsprecher erklärt, das gesamte Filialnetz werde überprüft

Das Unternehmen selbst dementiert das vehement gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Es gibt derzeit über 13.000 Filialen in Deutschland, bei dieser Zahl soll es auch vorerst bleiben", sagte ein Post-Sprecher. Die Umwandlung in private Partnerfilialen finde immer wieder statt, genaue Planzahlen gebe es diesbezüglich nicht.

Das "Westfalen-Blatt" aber berichtet unter Berufung auf die Gewerkschaft Ver.di und den Postagenturnehmerverband (Pagd), die Post wolle 900 eigene Filialen aufgeben. Inwieweit die Filialen durch private Partnerfilialen ersetzt werden sollen, geht aus dem Bericht nicht hervor. 4000 Mitarbeiter seien betroffen, heißt es lediglich. Dienstleistungen wie Paketannahme und Briefmarkenverkauf sollen in Zukunft bundesweit nur noch in 855 Postbanken und in privaten Partner-Filialen angeboten werden, schreibt die Zeitung weiter. Der Post-Sprecher dementierte auch dies. Ebenso wies er Angaben des Pagd-Vorsitzenden Torsten Modery zurück, wonach die Post 60 Prozent der Kosten einspart, wenn sie eine eigene Filiale in eine Partnerfiliale umwandelt.

In den vergangenen Jahren hatte die Post laut "Westfalen-Blatt" mit Zustimmung der Gewerkschaft bereits 400 eigene Filialen geschlossen. Die mehr als 1000 Mitarbeiter hatten im Unternehmen eine andere Beschäftigung gefunden. Postsprecher Achim Gahr sagte der Zeitung, das Partner-Konzept habe sich bewährt und werde ausgebaut. Das gesamte Filialnetz werde überprüft. Neben den 7100 privaten Postagenturen gebe es 3700 Postservice-Shops und 1000 sogenannte Post-Points. In den Shops gibt es ein reduziertes Angebot für die Kunden. Die Betreiber haben dem Bericht zufolge ein Mini-Job-Verhältnis mit der Post vereinbart. Bezahlt würden zwölf Stunden Öffnungszeit in der Woche, hieß es. In den noch kleineren Post-Points sei auch der Service geringer. Dort könnten zum Beispiel keine Einschreiben abgegeben werden. Die Gewerkschaft werde alles unternehmen, weitere Schließungen zu verhindern, sagte der Vorsitzende der Ver.di-Betriebsgruppe Filialen in Detmold, Ernst-August Rekarte, dem Blatt. Ver.di habe bereits eine Initiative zum Erhalt der Filialen gestartet.

ase/AP/dpa



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