Vorwurf der Netzagentur Telekom lässt Konkurrenten auflaufen

Auftragsstau, Verzögerungen, Hinhaltetaktik: Die Deutsche Telekom behindert ihre Kunden massiv, wenn sie zu einem neuen Telefonanbieter wechseln wollen. Diesen Vorwurf erhebt die Bundesnetzagentur - und kündigt eine strenge Untersuchung gegen den Ex-Monopolisten an.


Bonn - Die Bundesnetzagentur sieht den Wettbewerb auf dem deutschen Breitbandmarkt massiv behindert. Schuld seien Engpässe bei der Deutschen Telekom. "Es gibt einen großen Auftragsstau bei der Bestellung von Anschlussleitungen", sagte Behördenpräsident Matthias Kurth.

Netzagentur-Präsident Kurth: "Auftragstau so schnell wie möglich abarbeiten"
DPA

Netzagentur-Präsident Kurth: "Auftragstau so schnell wie möglich abarbeiten"

Die Teilnehmeranschlussleitung (TAL), auch "letzte Meile" genannt, wird von der Telekom gestellt und bildet den direkten Zugang zum Endkunden. Deutschlandweit gibt es laut Branchenverband VATM mehr als 100.000 unbearbeitete Aufträge - also Haushalte, die auf einen DSL-Anschluss warten. Im VATM sind die Konkurrenten der Telekom zusammengeschlossen.

In diesem Jahr ist die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen drastisch gestiegen, was der Telekom erhebliche Probleme bereitet. Weil der ehemalige Monopolist der Netzbetreiber ist, sind die Telekom-Techniker auch dann zuständig, wenn ein Kunde zu einem anderen Anbieter wechselt.

Unternehmen wie Arcor oder Telefonica sehen sich durch die massenhaft unbearbeiteten Aufträge behindert und haben daher bei der Netzagentur Beschwerde eingelegt. Mittlerweile seien Missbrauchsverfahren gegen die Deutsche Telekom eingeleitet worden, sagte Behördenpräsident Kurth. An die Telekom sei ein umfangreicher Fragenkatalog geschickt worden, den der Konzern bis Anfang Januar beantworten muss.

Die Telekom weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern habe schon zusätzliche Mittel für die TAL-Umschaltung bereitgestellt. "Wenn ein Konkurrent aber deutlich mehr Anschlüsse bucht, als im Voraus vereinbart wurden, kann es zu Verzögerungen kommen", sagte ein Sprecher.

Kurth appellierte an die Telekom, eigenständig aktiv zu werden. "Unabhängig von der Frage, ob hier eine Diskriminierung der Wettbewerber vorliegt, was wir zurzeit prüfen, appelliere ich an die Deutsche Telekom, den Auftragsstau so schnell wie möglich abzuarbeiten", sagte Kurth. Der Ex-Monopolist müsse hier die gleichen Anstrengungen unternehmen wie gegenüber seinen eigenen Kunden, sagte Kurth. Sollten die Maßgaben nicht eingehalten werden, dann drohen Geldstrafen.

Insgesamt äußerte sich der Behördenchef aber zufrieden über die Entwicklung des deutschen Breitbandmarkts. Bis zum Jahresende würden knapp 20 Millionen schnelle Internetzugänge geschaltet werden - ein Plus von fünf Millionen. Der Großteil davon entfällt auf die von den Telekomfirmen forcierte DSL-Technik, nur einen kleiner Teil auf die TV-Kabelnetzanbieter. Die Konkurrenten der Telekom kommen mittlerweile bei den Telefonanschlüssen auf einen Marktanteil von knapp 19 Prozent.

wal/ddp/dpa-AFX



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