VW-Affäre Ex-Betriebsratschef Volkert belastet Piëch

Es sei kaum vorstellbar, "dass all das ohne Piëch gelaufen ist", sagt Volkert in einem SPIEGEL-Interview. Es habe nur wenig gegeben, was der Konzernchef nicht wusste. Persönlich sieht sich der Ex-Betriebsratsvorsitzende am Ende, fürchtet das finanzielle Aus.

Hamburg - Der zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilte Ex-VW-Betriebsratschef Klaus Volkert belastet in einem SPIEGEL-Interview den Ex-Vorstandschef und derzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden des VW-Konzerns, Ferdinand Piëch.

Auf die Frage, ob die ganze VW-Affäre hinter dem Rücken von Piëch stattgefunden haben kann, sagt Volkert: "Wer die damalige Gesamtkonstellation im Unternehmen kennt, kann sich schwer vorstellen, dass all das ohne Piëch gelaufen ist." Im VW-Konzern habe es "nur wenig gegeben, was er nicht wusste". Er selbst habe Piëch "nie gefürchtet. Aber man ist gut beraten, ihn sich nicht zum Feind zu machen".

Es fehlt trotzdem jeder Beleg dafür, dass Piëch selbst in die Affäre verstrickt gewesen wäre und über die zweifelhaften Zahlungen und Reisen auch nur teilweise Bescheid gewusst hätte. Piëch hatte sich auch während seiner mit Spannung erwarteten Zeugenaussage im Prozess gegen Volkert nicht die geringste Blöße gegeben.

Anders sieht es bei Volkert aus. Das Landgericht Braunschweig verurteilte den einst mächtigste Betriebsratsboss des Landes gestern wegen Anstiftung und Beihilfe zur Untreue und wegen Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Dem SPIEGEL sagte Volkert, er erlebe diesen persönlichen Absturz als "Katastrophe". Er zeigte einerseits Reue: "Das Schlimmste ist wirklich, was ich meiner Familie angetan habe." Andererseits verteidigte er das alte System: "Alle haben doch profitiert. Der Konzern brummte, nie gab es bessere Tarifverträge für die Beschäftigten."

Volkert gab aber auch zu, "wahrscheinlich vielen geschadet" zu haben – auch dem Mitbestimmungsgedanken. Zugleich klagte er die IG Metall an, keine Lehren aus der Affäre gezogen zu haben. Da werde "doch alles totgeschwiegen". Letztlich fordere die Mitbestimmung "einen derart großen Spagat, dass es einen irgendwann zerreißt, egal wie charakterfest man ist".

Volkert zeigte sich zudem verärgert über die Ungleichbehandlung des ebenfalls über die VW-Affäre gestolperten Ex-Personalvorstands Peter Hartz. Der bekam eine Bewährungsstrafe und erhält vom VW-Konzern weiter seine volle Betriebsrente von 16.000 Euro monatlich, Volkerts Altersbezüge wurden von VW dagegen "um 50 Prozent gekürzt". Wenn das keine Vorzugsbehandlung sei, sagt Volkert, "dann weiß ich nicht mehr". Im Gegensatz zu Hartz habe die Staatsanwaltschaft ihm aber "nie einen Deal angeboten".

Finanziell ist der 65-Jährige offenbar ruiniert. Laut SPIEGEL erwägt Volkert, privat Insolvenz anzumelden. Unter anderem fordere das Finanzamt von ihm 470.000 Euro. Grund: Er soll das Geld, das seine damalige Geliebte von VW bekam, nachversteuern. "Bezahlen kann ich das nicht", sagt Volkert. Er selbst sehe sich bereits "mit dem Hut in der Fußgängerzone".

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