VW-Affäre Hartz kann doch auf Abfindung hoffen

Als die führenden VW-Aufsichtsräte den Rücktritt von Peter Hartz annahmen, hieß es erst, der langjährige Personalchef gehe ohne eine Abfindung in Rente. Ganz so eindeutig ist die Rechtslage in der Frage aber nicht.


VW in Wolfsburg: Aufsichtsrat wird noch informiert
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VW in Wolfsburg: Aufsichtsrat wird noch informiert

Hannover - Hartz wird das Unternehmen zwar vorzeitig verlassen, seinen Vertrag jedoch möglicherweise doch ausbezahlt bekommen. Die Nachrichtenagentur dpa meldet unter Berufung auf VW-Unternehmenskreise, Hartz werde eventuell Ansprüche stellen können. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte der "Süddeutschen Zeitung, Fachleute von VW seien dabei, die Rechtslage in dieser Frage für den Aufsichtsrat darzustellen.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrates, dem Wulff angehört, hatte gestern das Angebot von Hartz angenommen, wegen der Schmiergeld-Affäre beim Konzern zurückzutreten. Nach der Sitzung teilte VW zunächst mit, die Zahlung einer Abfindung habe nicht zur Debatte gestanden. Hartz' Vertrag läuft eigentlich noch bis 2007. Die "Bild"-Zeitung schreibt ohne Angabe von Quellen, Hartz könnten noch 800.000 Euro zustehen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Hartz' Rente könnte sich laut "Bild" auf 15.000 Euro monatlich belaufen.

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Peter Hartz: Das Wunderkind von Wolfsburg

Die "Welt" wiederum berichtet, VW könnte Hartz wegen möglicher Schäden aus der Schmiergeldaffäre zur Kasse bitten. Konzernchef Bernd Pischetsrieder wolle in Hartz' Auflösungsvertrag eine "Revisionsklausel" aufnehmen, berichtete schreibt das Blatt. Dadurch könne Hartz nachträglich zu Regresszahlungen herangezogen werden, falls dem Unternehmen durch sein Verschulden ein Schaden entstanden sei. Das sei im Präsidium des Aufsichtsrats vereinbart worden.

Was passiert mit den SPD-Abgeordneten?

Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung"sind drei mögliche Nachfolgekandidaten im Gespräch: Es handele sich um den Arbeitsdirektor bei Thyssen Krupp, Ralf Labonte, sowie Rolf Reppel von Thyssen Krupp Services und Karl-Heinz Blessing von der Dillinger Hütte, berichtete das Blatt unter Berufung auf IG-Metall-Kreise. Über die Hartz-Nachfolge soll nach Wulffs Angaben bis zum Herbst entschieden werden. Konzernkreise gehen laut dpa unterdessen davon aus, dass VW die SPD-Landtagsabgeordneten Ingolf Viereck und Hans-Hermann Wendhausen wieder entlässt. Die Parlamentarier sollen mehr als zehn Jahre lang neben ihren Diäten Gehälter von VW kassiert haben, ohne hierfür eine angemessene Gegenleistung zu erbringen. Nachdem dies Ende vorigen Jahres bekannt geworden war, forderte der Landtag von beiden zusammen 760.000 Euro zurück. Zum 1. Juli wurden sie bei VW wieder fest angestellt.

Wulff, der im Aufsichtsrat den Anteilseigner Niedersachsen vertritt, plädierte nach Informationen der "Süddeutschen" gestern dafür, dass sich VW von Viereck und Wendhausen trennen müsse: Eine Anstellung bei Volkswagen sei mit der Arbeit als Abgeordneter nicht vereinbar.



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