VW-Affäre Kubicki kündigt Details über Abrechnungssystem an

In der Affäre um Lustreisen und Blankobelege für Betriebsräte bei Volkswagen dürften bald neue Details bekannt werden. Nachdem VW den Ex-Personalmanager Gebauer heute vor Gericht harsch attackierte, will dessen Anwalt Kubicki das gesamte Abrechnungssystem offen legen.

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Gebauer-Anwalt Kubicki: "Das wird bis auf Vorstandsebene gehen"
DDP

Gebauer-Anwalt Kubicki: "Das wird bis auf Vorstandsebene gehen"

Hamburg/Braunschweig - "Wir werden das Abrechnungssystem detailliert erklären. Das Gericht muss verstehen, dass die Vorwürfe gegen meinen Mandanten absurd sind", sagte Wolfgang Kubicki SPIEGEL ONLINE. Dabei will der Anwalt des mittlerweile entlassenen VW-Mitarbeiters Klaus Joachim Gebauer alle Personen als Beweismittel anführen, die Abrechnungen geprüft und Auszahlungen veranlasst haben.

"Das wird bis auf Vorstandsebene gehen", sagte Kubicki. Namen nannte der Anwalt nicht. Kubicki sagte aber, dass dies nicht nur den bereits zurückgetretenen VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz betreffe.

Bei Volkswagen bezweifeln die Verantwortlichen, dass dieser Komplex mit dem laufenden Verfahren zu tun hat. "Die Kündigung stützt sich nicht auf diesen Sachverhalt", sagte ein Konzernsprecher. Man habe Gebauer entlassen, weil er sich persönlich bereichert habe.

Volkswagen hatte Gebauer Ende Juni fristlos gekündigt. Dagegen klagt dieser. Die gesetzlich vorgeschriebene Verhandlung über eine gütliche Einigung scheiterte heute am Widerstand des Konzerns. Am 17. November soll es nun eine mündliche Verhandlung geben.

Kubicki kündigt Schadensersatzklage an

Volkswagen Chart zeigen wirft Gebauer und dem ebenfalls entlassenen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster vor, sie hätten den Konzern als "Plattform" genutzt, um in die eigene Kasse zu wirtschaften. Dafür hätten die beiden ein Netz von mindestens zehn Firmen in acht Ländern aufgebaut. Auch Schmiergeld in fünfstelliger Höhe sei an Gebauer gezahlt worden, sagte der Leiter der VW-Rechtsabteilung, Michael Ganninger, vor dem Arbeitsgericht Braunschweig. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Schuster und Gebauer wegen Betrugs und Untreue.

Ex-VW-Manager Gebauer (r.), Kubicki: "Schmiergeldvorwurf wird Konsequenzen haben"
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Gebauer wies die Vorwürfe zurück. Er müsse als "Sündenbock" herhalten. Er habe eng mit dem früheren VW-Arbeitsdirektor Hartz und Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert zusammengearbeitet. Beide waren im Sog der Affäre zurückgetreten. Einzelheiten nannte Gebauer nicht.

Kubicki sprach von "unglaublichen Anschuldigungen", die sich in "Luft auflösen" würden. Gleichzeitig kündigte er rechtliche Schritte gegen den Konzern an. "Der Schmiergeldvorwurf von VW wird Konsequenzen haben. Eine Schadensersatzklage wird kommen", sagte der Anwalt, der gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag von Schleswig-Holstein ist.

Firmengeflecht mit System

VW-Chefsyndikus Ganninger sagte dagegen, hinter dem Firmengeflecht von Gebauer und Schuster habe ein "System" gesteckt. Grundlage dafür seien "Anlage- und Managementverträge" gewesen, die Gebauer zum Teil unterzeichnet habe. Die beiden Manager hätten mit einer Firmengruppe zusammengearbeitet, die Gewinnverteilung sei klar geregelt gewesen.

VW-Werk in Wolfsburg: "Das nennt man landläufig Schmiergeldzahlungen"
DPA

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So wollten Schuster und Gebauer laut Ganninger beispielsweise an dem Import von Autos nach Angola mitverdienen. Zwei Drittel des Gewinns bei dem Geschäft sollten an die beiden Manager gehen, ein Drittel an die Firmengruppe. In Tschechien sollen Gebauer und Schuster an der Firma F-Bel beteiligt gewesen sein, die in Prag für die VW-Tochter Skoda eine Mini-Autostadt nach Wolfsburger Vorbild geplant hatte. Auch dabei hätten Schuster und Gebauer in die eigene Kasse wirtschaften wollen. Die geplanten Geschäfte seien aber vor ihrer Umsetzung aufgeflogen, sagte Ganninger.

Zudem sollen von einem tschechischen Dienstleister, der im Auftrag von VW arbeitete, Schmiergelder an Gebauer geflossen sein. Die Firma habe Volkswagen eine Rechnung gestellt, Gebauer habe dafür gesorgt, dass VW diese bezahlte. Gleichzeitig habe die Firma aber nach Aufforderung Gebauers den gleichen Betrag - eine fünfstellige Summe - auf dessen Privatkonto überwiesen. Ganninger: "Das nennt man landläufig Schmiergeldzahlungen."

Außerdem habe sich der 61-Jährige mit doppelten Reiseabrechnungen bereichert. Ganninger nannte einen Betrag von 10.000 Euro. Ferner sei Gebauer auf Firmenkosten für private Geschäfte nach Lissabon gereist, obwohl der Autobauer ihn in Berlin wähnte. Zu den Vorwürfen, Gebauer habe "Lustreisen" für Betriebsräte organisiert und diese damit begünstigt, sagte Ganninger nichts. Dies spiele vor dem Arbeitsgericht keine Rolle.



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