VW-Affäre Kurztrip nach Indien für 155.000 Euro

In der Volkswagen-Affäre sind neue Details zu den Luxusreisen von Managern und Arbeitnehmervertretern aufgetaucht. Alleine bei zwei Sausen im indischen Goa sowie in Port Blair sollen die lebenslustigen Wolfsburger über 200.000 Euro ausgegeben haben.


Wolfsburg - Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer reisten laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung im Januar 2003 auf Firmenkosten nach Goa. Für die einwöchige Tour an der indischen Westküste solle Gebauer beim VW-Konzern bis zu 60.000 Euro mit Eigenbelegen abgerechnet haben, berichtete das Blatt. Eine Indien-Reise Volkerts Anfang 2004 war Anlass für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Eine weitere Reise, an der neben Volkert und Gebauer auch Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster teilgenommen haben sollen, sei bei VW mit 155.000 Euro abgerechnet worden. Insgesamt eine Woche lang hätten sich die Teilnehmer in Port Blair, der Hauptstadt der Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren aufgehalten.

Informationsreise vom Feinsten

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat bisher bestätigt, VW habe für eine der Reisen eine sechsstellige Summe bezahlt. Die Behörde überprüft, ob Geld, das VW für die Reise ausgegeben hat, mit dem Geschäftszweck vereinbar gewesen ist.

Dem "Bild"-Bericht zufolge soll es außerdem im April 2002 eine rund 250.000 Euro teure Indien-Informations-Rundreise gegeben haben, an der neben Volkert und anderen Betriebsräten auch der damalige VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz teilgenommen haben soll.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte am Freitag keine Stellung zu dem Bericht nehmen. Die Behörde untersuche derzeit im Zusammenhang mit der VW-Affäre "mehrere Reisen". Die Frage sei, inwieweit diese dienstlichen Charakter gehabt hätten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schuster und Gebauer wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Sie sollen Geld mit Hilfe eines Geflechts von mindestens zehn Firmen in acht Ländern auf eigene Konten umgeleitet haben. Auch Schmiergeld soll gezahlt worden sein. Gegen Volkert ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Untreue.



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