VW-Affäre Strafverfahren rückt in weite Ferne

Die Korruptionsaffäre bei Volkswagen wird die Justiz noch lange Zeit beschäftigen. Angesichts der Komplexität des Falls rechnet die Staatsanwaltschaft nicht mit schnellen Ergebnissen. Nun nehmen auch Behörden in Indien die Ermittlungen auf.


VW-Logo: "Keine Gerichtsverhandlung in diesem Jahr"
DDP

VW-Logo: "Keine Gerichtsverhandlung in diesem Jahr"

Braunschweig/Neu Delhi - Ein mögliches Strafverfahren gegen den entlassenen VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer sowie Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster werde frühestens im kommenden Jahr beginnen, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig heute mit. Die Behörde ermittelt gegen die Schlüsselfiguren in der VW-Affäre wegen Betrugs und Untreue.

"Dieses Jahr kommt es bestimmt nicht mehr zu einer Gerichtsverhandlung", sagte Behördensprecher Hans-Jürgen Grasemann. Die Ermittlungen seien zu komplex, sagte er zur Begründung.

Parallel läuft im Zusammenhang mit der VW-Affäre auch ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht in Braunschweig. In dem Prozess zwischen Gebauer und Volkswagen Chart zeigen hatte der Richter gestern eine mündliche Verhandlung für den 17. November angesetzt, nachdem es beim Gütetermin keine Einigung gab. Der Autobauer hatte dem Personalmanager, der für die Beziehungen zum Betriebsrat zuständig war, Ende Juni fristlos gekündigt. Dagegen klagt Gebauer.

Ex-VW-Mitarbeiter Gebauer (r., mit Anwalt Wolfgang Kubicki): Keine Einigung beim Gütetermin
DDP

Ex-VW-Mitarbeiter Gebauer (r., mit Anwalt Wolfgang Kubicki): Keine Einigung beim Gütetermin

VW-Chefjurist, Michael Ganninger, überreichte dem Richter bei dieser Gelegenheit einen Schriftsatz, in dem das Unternehmen die angeblichen Verfehlungen Gebauers auflistet. Ganninger zitierte öffentlich aus dem Schreiben und machte damit neue schwere Vorwürfe gegen Gebauer und Schuster bekannt. Sie hätten den Konzern als "Plattform" genutzt, um in die eigene Kasse zu wirtschaften, hieß es unter anderem. Gebauer wies die Vorwürfe zurück.

Für die Ermittler der Staatsanwaltschaft seien die Anschuldigungen nicht neu, sagte Sprecher Grasemann. VW hatte den Schriftsatz zeitgleich zur Güteverhandlung per Fax an die Anklagebehörde übermittelt. "Das ist eine Zusammenfassung dessen, was uns bisher schon bekannt war", erläuterte Grasemann.

Inder ermitteln gegen Schuster

Die Staatsanwaltschaft hat bereits ein Rechtshilfeersuchen an einen anderen Staat fertig gestellt, hieß es weiter. Als mögliche Adressaten gelten Indien, Tschechien und Angola. Die Behörde schwieg jedoch über das Zielland und weitere Einzelheiten zu den Ermittlungen.

Zumindest in Indien beschäftigt der Skandal ebenfalls die Behörden. In der Korruptionsaffäre hat das dortige Bundeskriminalamt (CBI) nun offiziell Ermittlungen gegen Ex-Skoda-Personalchef Schuster aufgenommen. Die Anti-Korruptions-Abteilung ermittle auch gegen den indischen Ex-VW-Berater Ashok Jain und die einst von Schuster gesteuerte Firma Vashishta Wahan, hieß es heute beim CBI.



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