VW Fünf Millionen Euro Schaden durch Lustreisen-Affäre

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG haben die ungezügelten Ausgaben von Betriebsräten und Personalverantwortlichen beim Wolfsburger Autohersteller VW zusammengerechnet. Ihrem Prüfbericht zufolge ist dem Konzern ein Schaden von fünf Millionen Euro entstanden.


Wolfsburg - Während der Durchsicht der Bücher fanden die Wirtschaftsprüfer außerdem Belege dafür, dass Volkswagen durch Konzernangehörige und "Außenstehende" Scheinfirmen und getarnte Beteiligungen betrogen worden ist.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder zeigte sich entrüstet von den Machenschaften. Allein die Abrechnung von Eigenbelegen über 939.000 Euro sei völlig inakzeptabel, erklärte er im Anschluss an die Sitzung des Aufsichtsrats. Der Konzern werde weitgehende Konsequenzen aus der Affäre ziehen: "Volkswagen wird nach innen und nach außen ein transparentes Unternehmen." Bereits jetzt habe der Konzern seine Genehmigungs- und Kontrollmodalitäten verschärft. In Zukunft werde ein konzernweites Ombudsmann-System die Gewähr dafür geben, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholten.

Die KPMG war vom Konzern zusätzlich zu den andauernden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig in der Affäre um Schmiergelder, Tarnfirmen und Vergnügungsreisen von Beschäftigten auf VW-Kosten zur Untersuchung der Vorwürfe eingeschaltet worden.

Im Zuge der Affäre hatte auch Personalvorstand Peter Hartz sein Amt aufgeben müssen. Gegen ihn ermittelt seit Anfang September die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Ihm wird vorgeworfen, die Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung der nicht gerechtfertigten Spesen und der Finanzierung von Lustreisen gebilligt oder unterstützt zu haben.

Sein Nachfolger soll nach der heutigen Entscheidung des Aufsichtsrats Audi-Personalvorstand Horst Neumann werden.

Eigentlich war heute allerdings eine ganz andere Personalie nach dem VW-Aufsichtsrats-Treffen erwartet worden. Im Vorfeld hatten Gerüchte die Runde gemacht, wonach VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nach der Sitzung des Kontrollgremiums seinen Rücktritt bekannt geben werde. Kritiker wie etwa der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatten Piech aufgefordert, seinen Posten wegen seiner Doppelrolle als VW-Aufsichtsrat und Porsche-Großaktionär aufzugeben.



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