VW Pischetsrieder schwört Belegschaft auf Sparkurs ein

Der Volkswagen-Konzern tritt wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche auf die Kostenbremse. Mit einer Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede schwor Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Donnerstag die Belegschaft auf den neuen Kurs ein.


Sparpotenzial vor allem im Vertrieb: VW-Chef Pischetsrieder
DDP

Sparpotenzial vor allem im Vertrieb: VW-Chef Pischetsrieder

Hamburg - Um in der derzeitigen konjunkturellen Situation handlungsfähig zu bleiben, seien erhebliche Kostensenkungen notwendig, sagte Pischetsrieder. Alle Ausgaben müssten auf den Prüfstand. Jeder Mitarbeiter könne und müsse einen Beitrag zur Sicherung der Zukunft leisten. "Eine Konjunkturbelebung in Westeuropa, den USA und Südamerika ist kurzfristig nicht zu erwarten". Über die Höhe der angestrebten Kosteneinsparungen machte Pischetsrieder keine Angaben. VW senkt seine Kosten seit einiger Zeit jährlich um etwa eine Milliarde Euro.

Als einziger positiver Markt für Volkswagen ragt derzeit China hervor. Dort hat Volkswagen seinen Absatz in den ersten fünf Monaten um 62 Prozent gesteigert. Volkswagen ist über zwei Gemeinschaftsunternehmen in China mit knapp 40 Prozent Marktführer.

Der Kurs der VW-Aktie gab nach der Nachricht über die anhaltende Nachfrageschwäche in den anderen Regionen mehr als einen Prozentpunkt nach, notierte aber später wieder fast drei Prozent im Plus bei rund 35 Euro.

Konzernbetriebsratschef Klaus Volkert sagte auf der Betriebsversammlung, nachdem schon der Beginn des Jahres alles andere als positiv verlaufen sei, müsse der Konzern heute davon ausgehen, dass sich die negative Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie der Automobilmärkte zumindest in diesem Jahr fortsetze. Hinzu komme der anhaltend hohe Euro-Wechselkurs, der die Exporte in den Dollar-Raum erschwere.

Pischetsrieder hatte bereits Anfang Juni die Erwartungen an eine Belebung der Automobilnachfrage in der zweiten Jahreshälfte gedämpft und die Bedeutung von Kosteneinsparungen betont. Ein wichtiges Feld dafür sei der Vertrieb. Hier müssten die Kosten deutlich herunter, hatte der VW-Chef gesagt. Mit seinem eindringlichen Appell an die Belegschaft ging Pischetsrieder nach Einschätzung von Beobachtern nun einen Schritt weiter.

Der Gewinn von Volkswagen war in den ersten drei Monaten wegen hoher Kosten für zahlreiche Neuanläufe und negative Wechselkurseffekte stärker als erwartet eingebrochen. Gleichwohl hatte der Konzern wegen erwarteter steigender Absatzzahlen seine Prognose einer Ertragsverbesserung im weiteren Jahresverlauf bekräftigt. Auch ein stärkeres zweites Halbjahr werde aber nicht ausreichen, um den Gewinneinbruch in den ersten drei Monaten wettzumachen, hatte es geheißen.



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