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Logistik VW-Tochter Traton kritisiert Wissing

aus DER SPIEGEL 20/2022

Volkswagens Lkw-Tochter Traton fordert von der Bundesregierung einen kon­sequenteren Ausbau der Lade­infrastruktur für den Schwerlastverkehr. Das Ziel von deutschlandweit mindestens 300 sogenannten Ladehubs mit insgesamt 1200 Hochleistungsladepunkten müsse ins Klimaschutz-Sofortprogramm auf­genommen werden, verlangt Traton-Personalvorstand Bernd Osterloh, ehemals Betriebsratsvorsitzender des VW-Konzerns. Konkrete Zielmarken seien offenbar aus dem Programm entfernt worden, um flexibler zu bleiben. »Die Branche braucht aber Verbindlichkeit«, so Osterloh. Der Lkw-Hersteller Traton, zu dem die Marken MAN, Scania und Navistar zählen, investiert in den kommenden Jahren 2,6 Milliarden Euro in die Umstellung auf klimaneutrale Antriebe. MAN plant für 2024 einen rein elektrischen Fernverkehrs-Lkw. Die E-Offensive sei jedoch gefährdet, wenn die nötigen Lademöglichkeiten nicht bereitstünden, warnt Osterloh. Verantwortlich für die entsprechenden Passagen im Sofort­programm ist Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Zu Jahresbeginn hatte sich der FDP-Mann erst klar für E-Mobilität ausgesprochen, wenig später aber betont, man müsse technologieoffen bleiben und beispielsweise auch auf alter­native Kraftstoffe setzen. Diese Woche erklärte Wissing, er strebe einen Umstieg auf eine klimaneutrale Mobilität mithilfe marktwirtschaftlicher Anreize an. Osterloh fordert nun von der Bundesregierung, den Versprechen konkrete Taten folgen zu lassen: Um die für den Umstieg benötigten Ladestationen aufzubauen, müsse die Politik ausreichend finanzielle Mittel sowie Flächen entlang der Autobahntrassen zur Verfügung stellen. Diese befinden sich im Besitz der bundeseigenen Autobahn GmbH. »Deutschland hätte jetzt die historische Chance, als technologischer Vorreiter mit einem elektrifizierten Schwerlastverkehr weltweit voranzuschreiten«, sagt Osterloh. »Doch diese Chance drohen wir zu verpassen.« Wenn die Elek­trowende im Lkw-Fernverkehr scheitere, »dann wird Deutschland auch seine CO2-Ziele im Verkehrssektor nicht erreichen.«

sh
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