VW-Übernahme Das Ende des Porsche-Geists

Das Duell der Autofirmen ist so gut wie entschieden. Volkswagen schluckt Porsche und integriert den Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Konzern. Mitarbeiter des Stuttgarter Unternehmens kündigen vehementen Protest an und Experten warnen: Porsche werde langfristig Schaden nehmen.

Hamburg - Um markige Worte ist Uwe Hück selten verlegen. In diesen Tagen aber poltert der Betriebsratschef des Sportwagenbauers Porsche besonders laut. Seine Attacken zielen vor allem in eine Richtung: nach Wolfsburg. Denn in der Volkswagen-Zentrale wird derzeit eifrig an der Übernahme von Porsche gebastelt. Glaubt man Hück, ist damit der Anfang vom Ende für Porsche eingeläutet: "Mit Polo-Teilen können Sie keinen Porsche bauen", sagt der Porsche-Vize-Aufsichtsratschef. Nicht nur die Marke sei in Gefahr, auch treffe es die 11.000 Mitarbeiter.

Porsche-Produktion in Leipzig: "Die Erträge werden sinken"

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Foto: DDP

Selbst wenn der Betriebsratschef nicht gerade als besonnen gilt, steht er mit seiner Meinung keineswegs alleine da: Auch Experten der Autobranche sehen riesige Probleme auf Porsche zurollen, sollte VW den Sportwagenbauer übernehmen. "Die Marke Porsche wird deutlichen Schaden nehmen", sagt etwa Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Denn kaum eine andere Marke in Deutschland habe sich in der Vergangenheit so stark durch ihre Eigenständigkeit ausgezeichnet wie die des Zuffenhausener Autobauers. Jetzt aber solle Porsche in das "Korsett von Volkswagen" gezwängt werden. "Das ist gefährlich", sagt Dudenhöffer, "weil Porsche dadurch seine einzigartige Dynamik genommen wird."

Der SPIEGEL hatte zuvor berichtet, dass VW die Macht bei dem Stuttgarter Unternehmen in zwei Schritten übernehmen will. Demnach wollen die Wolfsburger zuerst 49,9 Prozent der Porsche AG und später die restlichen Anteile kaufen. Ziel ist es, Porsche langfristig komplett in den VW-Konzern zu integrieren - als eine von insgesamt zehn Marken.

Genau das ist laut Dudenhöffer das größte Problem. Heute könne Porsche flexibel auf Auftragsspitzen oder -flauten reagieren. "Diese Flexibilität ist in einem Giga-Konzern wie Volkswagen nicht gegeben", sagt Dudenhöffer. Zudem laufe die gesamte Produktion bei VW über Baukastensysteme, die standardisiert und wenig individuell seien. Und in diese Kette solle Porsche nun eingegliedert werden, sagt der Fachmann. "Auf Dauer", ist sich Dudenhöffer sicher", geht das Erfolgsrezept von Porsche dadurch verloren, die Erträge werden sinken."

Dabei ist die enge Verzahnung von Porsche und VW keineswegs neu. So stammte etwa der erste Volkswagen, der Käfer, von Ferdinand Porsche. Nach dem Krieg baute sein Sohn Ferry Porsche den ersten Sportwagen - aus VW-Teilen. Es folgten gemeinsame Projekte, nämlich die 914er, 924er, und 944er Modelle.

Auch beim Vertrieb haben Porsche und Volkswagen zeitweise zusammengearbeitet - in der Zeit von 1969 bis 1974. Und selbst heute gibt es gemeinsame Entwicklungen beider Konzerne: etwa den Porsche Cayenne oder den Touareg von VW.

Diesem Aspekt räumen die Experten daher auch den größten Vorteil bei einer Übernahme ein: "Gemeinsames Entwickeln kann Milliarden sparen", sagt Marc-René Tonn, Analyst beim Bankhaus M. M. Warburg. Der Austausch von Teilen, Plattformen und Ingenieursleistungen würde unter einem Dach noch effizienter. Das bedeute aber zugleich den Abbau von Personal - vor allem bei Porsche, dessen Vertriebsstrukturen und Teile der Entwicklung zunehmend überflüssig werden könnten.

Wie Dudenhöffer sieht Tonn daher auch die Gefahr, dass die Bedeutung von Porsche immer unwichtiger und die Modelle schlechter werden könnten. Ein Beispiel dafür sei die ehemalige Allianz von Ford und Jaguar. "Es gab eine Zeit, da sah ein Jaguar von innen aus wie ein Ford-Mondeo", sagt Tonn. "Das war fatal für die Luxusmarke." Diesen Fehler müsse man bei Porsche unbedingt vermeiden, sagt Tonn. Sonst nehme die Marke schweren Schaden, der typische Porsche-Fahrer wende sich ab.

Offenbar hat das Theater um Porsche in den vergangenen Wochen bereits negative Spuren bei den Verbrauchern hinterlassen, wie aus einer aktuellen Analyse des Kölner Marktforschungsinstituts YouGov Psychonomics hervorgeht. Demnach brachen die Imagewerte für Porsche seit April um rund 20 Prozent auf nur noch 49 Indexpunkte ein. Im Gegensatz dazu wurde die Marke Volkswagen immer beliebter. Bis zum Jahresanfang aber hatte Porsche den Angaben zufolge lange deutlich vor VW gelegen und war eine der beliebtesten deutschen Automarken.

"Kurzfristig kann Porsche ein echtes Problem bei den Autokäufern bekommen", sagt YouGov-Vorstand Holger Geißler. Dies sei aber vor allem auf den Machtkampf zwischen den Autobauern zurückzuführen. "Langfristig dürfte sich die Qualität von Porsche aber wieder durchsetzen."

Auch der M.-M.-Warburg-Analyst geht davon aus, dass die Käufer die Porsche-Übernahme durch VW auf Dauer vergessen werden. So spiele es auch bei den Premiummarken Audi oder Bentley keine Rolle für die Käufer, dass sie zum VW-Konzern gehörten. "Voraussetzung ist aber, dass VW Porsche operativ viel Spielraum lässt und die typischen Merkmale der Porsche-Produktion nicht einschränkt."

Doch Ferdinand Dudenhöffer glaubt nicht daran, dass VW Porsche diesen Freiraum lassen wird. "Die wichtigen Entscheidungen werden künftig alle in Wolfsburg getroffen. Der Porsche-Geist geht dabei verloren."

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