Wachstum 2008 Wirtschaftsweiser verbreitet Konjunkturoptimismus

Eigentlich stehen die Zeichen schlecht: Das Öl wird immer teurer, die Regierung senkt die Wachstumserwartung. Doch der Aufschwung geht nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Franz weiter. Deutlich soll das an den Arbeitslosenzahlen werden, die die Bundesagentur heute veröffentlicht.


Hamburg – Der Januar ist traditionell ein Horrormonat auf dem Arbeitsmarkt. Zweimal schon in der Vergangenheit musste die Bundesagentur für Arbeit zum Jahreswechsel sogar mehr als fünf Millionen Arbeitslose melden.

Diese Zeiten sind vorbei: Zwar gehen Experten auch für diesen Monat von einem witterungsbedingten Anstieg der Erwerbslosen zwischen 100.000 und 125.000 aus – trotzdem werde die gefürchtete Zahl die Marke von 3,5 Millionen unterschreiten, heißt es wenige Stunden, bevor die Bundesagentur für Arbeit ihre monatliche Pressekonferenz gibt.

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DDP

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Für die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sind die Volkswirte ebenfalls zuversichtlich. Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe sei unverändert hoch. Auch 2008 sollten neue Jobs geschaffen werden. Dabei gehöre die Dienstleistungsbranche erneut zu den Gewinnern, während in der Industrie tendenziell weiter Arbeitsplätze abgebaut würden. Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, prognostiziert insgesamt einen Jahresdurchschnitt von 3,5 Millionen Arbeitslosen.

Franz rechnet für 2008 außerdem mit einem stetigen Wirtschaftswachstum. Der Aufschwung sei nicht vorbei, "die Konjunkturdynamik wird sich allerdings verlangsamen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Der Sachverständigenrat rechne zwar nur mit einem Wachstum von 1,9 Prozent. "Dennoch können wir vorsichtig optimistisch sein, dass das neue Jahr ein zufriedenstellendes wird." Nachdem 2007 die Preissteigerungsrate durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer belastet worden sei, dürfte sie 2008 mit etwa zwei Prozent wieder deutlich niedriger sein, meint der Mannheimer Wirtschaftsprofessor.

Franz mahnt zur Lohnzurückhaltung

Franz mahnte angesichts von Forderungen von bis zu acht Prozent mehr Gehalt aber zur Zurückhaltung bei den anstehenden Tarifrunden. "Wichtig ist jetzt, dass wir die Früchte einer moderaten Tariflohnpolitik der vergangenen Jahre weiterhin ernten und das Wachstum verstetigen." Dieser "vernünftige Kurs" müsse fortgeführt werden, sagte Franz. Gesamtwirtschaftlich bestehe ein Verteilungsspielraum von 2,0 bis 2,5 Prozent, jedoch kommt es auf den Spielraum der jeweiligen Branchen an.

Sein genereller Optimismus dürfte so manchen Bundesbürger aber wieder beruhigen – nachdem der gestrige Tag voll mit Ereignissen war, die auf schlechte Zeiten hinzuweisen schienen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nahm seine Konjunkturprognose für 2008 zurück – er geht nun nur noch von einem Wachstum unter zwei Prozent aus. Bereits im Oktober hatte die Regierung ihre Vorausschau von 2,4 auf 2,0 Prozent gesenkt. Noch dazu stieg der Ölpreis gestern Abend zwischenzeitlich auf den Preis von 100 Dollar pro Barrel.

ase/AP/dpa



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