Wachstum EU schraubt Prognose für Deutschland kräftig runter

Die weltweite Kreditkrise drückt auch die Realwirtschaft nach unten: Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognosen für den Euro-Raum und für Deutschland kräftig gesenkt. Einen düsteren Ausblick bietet auch das Münchner Ifo-Institut.


Brüssel - Erst die USA, jetzt Europa: Die anhaltende Krise an den Finanzmärkten wird das europäische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr deutlich bremsen. Davon geht die EU-Kommission in einer aktuellen Prognose aus.

Bauarbeiter bei Frankfurt am Main: Weniger Arbeitslose wegen mildem Winter
DPA

Bauarbeiter bei Frankfurt am Main: Weniger Arbeitslose wegen mildem Winter

Demnach soll das Bruttoinlandsprodukt in den 15 Ländern des Euro-Raums nur noch um 1,8 Prozent zulegen - bisher ging die Kommission von 2,2 Prozent aus. In allen 27 EU-Ländern erwartet die oberste europäische Behörde nun ein Wachstum von 2,0 Prozent statt bisher 2,4 Prozent. Besonders kräftig wurde die Vorhersage für Deutschland gestutzt: von 2,1 auf 1,6 Prozent.

"Europa beginnt eindeutig, die Folgen des weltweiten Gegenwinds durch geringeres Wachstum und höhere Inflation zu spüren", sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia. "Das globale Umfeld ist ungünstig." Die Prognose beruht auf Daten der sieben größten Volkswirtschaften in der EU, die 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften.

Der Preisanstieg wird sich wegen der hohen Öl- und Nahrungsmittelpreise nach Einschätzung der Kommission beschleunigen. Für die Euro-Zone wurde die Schätzung um 0,5 Punkte heraufgesetzt - jetzt geht die Kommission von 2,6 Prozent Inflation aus.

Insbesondere Deutschland droht nach Einschätzung der EU-Kommission eine Konjunkturflaute. Als Grund nannte Almunia den Einbruch der US-Konjunktur - was vor allem die Exportnation Deutschland trifft. Etwas optimistischer ist bisher die Bundesregierung: Sie rechnet derzeit mit einem Wachstum von 1,7 Prozent.

Einen düsteren Ausblick bietet auch das Münchner Ifo-Institut. Wegen der deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft hat es seine Konjunkturprognose für Deutschland gesenkt. "Wir rechnen für 2008 mit 1,6 Prozent Wachstum", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn bei einer Veranstaltung in Augsburg. Im Dezember war das Institut noch von 1,8 Prozent ausgegangen.

Sowohl Export als auch Privatkonsum werden laut Ifo schwächer ausfallen als erwartet. Eine Notwendigkeit für Konjunkturprogramme sieht Sinn derzeit nicht. Die Politik sollte sich aber vorbereiten.

Im Gegensatz zur Konjunktur werden die Arbeitsmarktzahlen laut Ifo im Jahr 2008 etwas günstiger ausfallen als im Dezember 2007 geschätzt. Die Experten rechnen mit 3,3 Millionen Arbeitslosen. Zuletzt waren sie von 3,5 Millionen ausgegangen. Der Winter sei bislang ungewöhnlich mild gewesen, was in der Bauindustrie mehr Stellen gebracht habe, hieß es zur Begründung.

wal/AP/AFP/Reuters/ddp/dpa



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