Wachstumsschwäche Globale Krise erfasst China

Seit Jahrzehnten sind die Chinesen zweistellige Wachstumsraten gewohnt - aus und vorbei: Das Wirtschaftswachstum in China schrumpfte im vergangenen Quartal auf neun Prozent. Der Rückgang infolge der globalen Finanzkrise war stärker als erwartet.


Peking - China wähnte sich vor kurzem noch sicher vor den Turbulenzen an den Finanzmärkten. Doch die globale Krise macht auch vor dem größten Staat der Welt nicht Halt - sie bremste das chinesische Wirtschaftswachstum zwischen Juli und September unerwartet stark auf 9,0 Prozent.

Baustelle in China: Das Wachstum schwächt sich ab
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Baustelle in China: Das Wachstum schwächt sich ab

Im ersten Halbjahr lag es noch bei 10,1 Prozent. Experten hatten erwartet, dass sich das Wachstum der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt im Schnitt nur auf 9,7 Prozent abschwächen wird. Im gesamten Jahr 2007 lag es noch bei 11,9 Prozent.

Für China bedeutet das einen drastischen Einschnitt: Seit Jahrzehnten sind die Chinesen verwöhnt von zweistelligen Wachstumsraten. Seit 1978 wächst die Wirtschaft des Landes durchschnittlich rund zehn Prozent pro Jahr. Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung Chinas in diesem Jahr erstmals das deutsche Bruttoinlandsprodukt übertreffen wird.

Die Sorgen um die Auswirkungen der Finanzkrise werden mit dem schwächeren Wachstum in China weiter angeheizt - zumal womöglich das Ende noch nicht erreicht ist. "Es ist jetzt völlig offensichtlich, dass das Wirtschaftswachstum sich rapide verlangsamt, auch wenn einige Indikatoren wie die Exporte sich wegen Verzögerungseffekten noch behaupten", sagte Analyst Zhang Fan. Sein Kollege Tao Wang erwartet weiteren Schwund: Im vierten Quartal sei langsameres Wachstum zu erwarten, weil dann die äußeren Einflüsse auf die chinesische Wirtschaft "eine stärkere negative Wirkung entfalten" würden.

Die Finanzkrise schlägt damit zusehends auch auf die eng mit der westlichen Wirtschaft verwobene chinesische Industrie durch, vor allem auf Produktionsfirmen. Viele exportabhängige Unternehmen leiden, Werke mussten wegen Geldmangels infolge der Kreditkrise schon schließen. Die chinesische Regierung erwägt inzwischen ein Konjunkturprogramm.

Börsen behaupten sich

In Südkorea konnte die Regierung durch ein Rettungspaket für die Finanzmärkte die Wirtschaftslage stabilisieren. Die Kurse an den Börsen des Landes erholten sich nach der staatlichen Garantieerklärung für das Bankensystem.

Die Kurse an Asiens Börsen erholen sich generell: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte schaffte zur Handelsmitte ein Plus von mehr als drei Prozent beim Zwischenstand von 8970 Punkten. Dennoch bleiben die Börsianer angesichts der angespannten Lage nervös, sie stellen sich erneut auf eine turbulente Handelswoche ein. Die Nachrichten aus der Berichtssaison in den USA und auch die ersten Unternehmenszahlen aus Deutschland sowie die anhaltende Unsicherheit um die Entwicklungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise dürften die Nervosität der Investoren nach Ansicht mehrerer Experten hoch halten. "Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sich diese Nervosität am Markt wieder auf ein normales Maß reduziert", sagte ein Aktienhändler.

cvk/Reuters/dpa-AFX/dpa



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