Währungspoker Auch Venezuela für Ölhandel in Euro

Der Opec-Staat Venezuela hat sich offen für die Idee gezeigt, sein Öl künftig in Euro abzurechnen. Kritiker der USA sehen darin eine Gefahr für den Dollar. Auch Iran liebäugelt seit langem mit einer Umstellung des Rohstoff-Handels auf die europäische Währung.


London – Venezuelas Präsident Hugo Chavez sagte gestern dem britischen Sender Channel 4, der Vorschlag Irans für eine Umstellung des Ölhandels von Dollar auf Euro Chart zeigen sei interessant. "Ich glaube, die Europäische Union hat mit dem Euro einen wichtigen Beitrag geleistet."

Ölpump-Esel am Maracaibo-See, Venezuela: Leere Drohungen oder ernste Gefahr für den Dollar?
AP

Ölpump-Esel am Maracaibo-See, Venezuela: Leere Drohungen oder ernste Gefahr für den Dollar?

Iran habe mit dem Euro-Vorschlag "die Macht Europas" anerkannt, so der umstrittene Staatschef. "Sie haben eine Gemeinschaftswährung, die im Wettbewerb mit dem Dollar steht, und Venezuela könnte sich das auch überlegen - diese Freiheit haben wir", sagte Chavez.

Venezuela und Iran gehören zu den größten Öl-Produzenten der Welt und stehen in einem Dauerkonflikt mit den USA. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte vor einigen Tagen erklärt, sein Land wolle in den kommenden zwei Monaten eine Öl-Börse auf der Insel Kisch aufbauen.

Im Westen wurde spekuliert, durch die Verwendung des Euro als Währung könnte die Bedeutung des Dollar untergraben werden. Die Einrichtung der Öl-Börse in Iran hätte zunächst aber vor allem symbolische Bedeutung.

Zudem ist offen, wann und in welchem Umfang die Pläne in die Tat umgesetzt werden: Der Starttermin für das iranische Projekt, das schon einmal für März 2005 angekündigt war, ist wieder und wieder verschoben worden.

USA: Wir kommen ohne iranisches Öl aus

Wie das US-Energieministeriums unterdessen mitteilte, könnten die 26 Länder der Internationalen Energiebehörde (IEA) Lieferunterbrechungen durch Iran für mehr als vier Jahre abdecken. "Nimmt man die gesamten Lagerbestände aller Länder der IEA, sind wir dazu in der Lage, einer völligen Abschaltung iranischen Öls für mehr als vier Jahre entgegen zu treten", sagte eine hochrangige Vertreterin des Ministeriums.

Die Furcht vor einem Lieferstopp aus Iran im Zusammenhang mit dem Atomkonflikt des Landes mit dem Westen gilt als einer der wesentlichen Faktoren hinter dem Anstieg der Ölpreise in diesem Jahr. Die Ministeriumsvertreterin wollte keine Schätzung dazu abgeben, wie sich ein hypothetischer Lieferstopp des Opec-Landes auf die Ölpreise auswirken könnte. "Es würde sicherlich eine Art Preisreaktion geben", sagte sie lediglich.

itz/Reuters



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