Währungsturbulenzen Juncker stoppt Euro-Höhenflug

Ein schlichter Nebensatz von Jean-Claude Juncker mit unmittelbaren Folgen: Luxemburgs Ministerpräsident erklärte, die Finanzmärkte hätten die Botschaft der G-7-Staaten missverstanden. Prompt sackte der Euro auf ein Tagestief.


Berlin - Bislang war der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan der einzige, der die Märkte erzittern lassen konnte. Jetzt gelang es auch Jean-Claude Juncker - auch wenn der Euro-Gruppen-Vorsitzende deutlich stärkere Worte wählen musste, als dies Greenspan je getan hat: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Finanzmärkte und andere Akteure die Botschaft des jüngsten G-7-Treffens korrekt und vollständig verstanden haben", erklärte Juncker vor Journalisten.

Premier Juncker: Starke Währungsschwankungen unerwünscht
AFP

Premier Juncker: Starke Währungsschwankungen unerwünscht

Die sieben führenden Industrieländer wollten keine übertriebenen Kursschwankungen, die für die globale Wirtschaft schlecht wären, fügte Juncker hinzu. Der Kursanstieg des Euro sei nicht wünschenswert.

Tatsächlich hatten sich die Vertreter der führenden Industriestaaten (G 7) am Wochenende in Washington besorgt über die starken Kursschwankungen der Leitwährungen geäußert.

Einige Devisenhändler verstanden Junckers Äußerung offensichtlich als Signal, dass eine Intervention unmittelbar bevorstünde. Der Eurokurs fiel auf das Tagestief von 1,5848 Dollar, nachdem er zuvor noch mit 1,5983 ein Rekordhoch erreicht hatte.

"Junckers Aussagen haben ein paar Short-Eindeckungen ausgelöst", erläuterte anschließend ein Händler in London. Übersetzt heißt das: Spekulanten haben Wetten auf einen fallenden Euro abgeschlossen.

Allerdings war der Handel im Verlauf des Vormittags ohnehin von großer Nervosität geprägt. Nachdem die Gemeinschaftswährung am späten Vormittag noch bis auf Bruchteile eines US-Cents an die psychologisch wichtige Marke von 1,60 Dollar herangerückt war, bröckelte der Kurs am Mittag wieder ab. Mit 1,5855 Dollar notierte der Euro mehr als einen US-Cent unter dem zeitweise erreichten Allzeithoch von 1,5983 Dollar. Am Nachmittag schließlich notierte die Währung wieder bei 1,5920 Dollar. "Das Geschäft ist sehr nervös, das ist vor allem technisch bedingt", sagte ein Händler.

Dass Juncker den Höhenflug mit seiner Anmerkung dauerhaft eingebremst hat, glauben die Beteiligten denn auch nicht. "Juncker ist nicht die EZB, wir werden sehen wollen, ob die Notenbank das Problem auch so beurteilt", sagte ein Händler, "Der Markt hält kurz inne - für einen neuen Anlauf", ein anderer.

mik/Reuters



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