Waffenmesse IDEX Iran-Krise treibt Scheichs zur Aufrüstung

Die Scheichs am Golf wollen mit zwei Milliarden Dollar ihre Truppen aufrüsten - jetzt lädt die Rüstungsindustrie ihre reichen Kunden zur weltgrößten Waffenmesse. 900 Aussteller zeigen die neuesten Tötungsmaschinen: von Hightech-Waffen bis zu chinesischen Imitatgewehren.

Abu Dhabi - Sein Produkt würde Abdel Karim am liebsten gleich vor Ort vorführen. "Sie müssten das sehen", sagt der Pakistani aufgeregt, "wie gerade die Flugbahn ist und wie sie direkt ins Ziel führt." Danach mache es nur noch einmal laut "Bumm - wie auf den Videos aus dem Irak". Dort wird das, was Karim wie Spielzeug anpreist, jeden Tag eingesetzt. Die RPG-7, eine verbesserte Version der unter Dschihadisten weltweit beliebten Panzerfaust, gehört zu den erfolgreichsten Waffen gegen US-Hubschrauber. Acht Helikopter wurden 2007 schon abgeschossen.

Karims Schnauzbart ist akkurat, sein Anzug zu groß, die Etiketten hat er nicht abgetrennt. So stellt man sich einen skrupellosen Waffenhändler eigentlich nicht vor. Hinter dem Tresen seines Stands gibt Champagner, auf Flachbildschirmen laufen Demonstrationen seiner tödlichen Ware. Alles ist sehr sauber. Schließlich ist dies kein Waffen-Bazar in Mogadischu. Es ist die größte Waffenmesse der Welt, genannt "International Defence Exhibition". Ort des ganz legalen Waffen-Basars ist Abu Dhabi in den Arabischen Emiraten.

Firmen wie die von Herrn Karim gehören eher zu den Exoten der riesigen Messe, auf der fast 900 Aussteller ihre Ware anpreisen. Nur einige chinesische, pakistanische oder türkische Aussteller setzen derart auf martialisch wirkenden Auslagen mit Maschinengewehren und Granatwerfern. Das hässliche Wort Krieg findet man selten auf den Plakaten hinter den hübschen Hostessen. Viel lieber schmücken sich die Rüstungsfirmen aus aller Welt mit dem Terminus "Verteidigung".

Die Iran-Krise als Wachstumsmotor

Dass sich die führenden Rüstungsschmieden aus aller Welt schon zum zweiten Mal in der Golfregion einfinden, hat einen einfachen Grund. Aus Furcht vor der heraufziehenden Iran-Krise werden die von Öl schier unendlich reichen Emirate zum Kunden der Zukunft. Nicht weniger als zwei Milliarden Dollar, so zumindest die offiziellen Zahlen, wollen sie kurzfristig in ihre Armeen pumpen. Sehr sorgsam hört man am Golf zu, wenn im Iran mit Vergeltung gegen alle US-Verbündeten im Fall eines Angriffs gedroht wird. In diesem Fall läge ein Angriff auf die Golf-Staaten nahe.

Kein Wunder also, dass die Hautevolee in Scharen anreist. Nirgends in den Emiraten ist während der Ausstellung ein Hotel-Zimmer zu finden, der ein oder andere Rüstungs-Manager musste sich im Flieger in die Holzklasse pressen. Krieg ist ein blühendes Geschäft, die Dauer-Krise nach dem 11. September 2001 lässt in der Rüstungsbranche die Kassen klingeln. Die Messe wuchs im Vergleich zum ersten Mal 2005 um 40 Prozent.

Auf der IDEX 2007 ist so ziemlich alles zu bestaunen, was die Kriegs-Techniker in den letzten Jahren erfunden haben: Luftüberwachungssystem in allen Preisklassen, Kommunikationsbedarf für die Cyber-Krieger, für den Radar unsichtbare und unbemannte kleine Kriegsschiffe, modernste Sniper-Gewehre. Draußen kommen noch schwere Panzerwagen, Truppentransporter und Hubschrauber hinzu. Die US-Armee zeigt ihre Produkte, die Chinesen bieten billige Imitate an und die Söldner der Sicherheits- und Militärfirma Blackwater tragen hier sogar Anzüge.

Deutsche Sicherheit ist weltweit beliebt

Herr Karims Traum vom Praxis-Test erfüllt sich glücklicherweise nur selten. Zwar gab es gleich zu Beginn unter den Augen der Öl-Scheichs eine Test-Show. Doch auf der extra hergerichteten Sandpiste mit Sprungschanzen und Wassergräben durften nur Jeeps und Lastwagen ein paar Runden drehen. Die Waffenfirmen belassen es bei Videos. Nur ausgewählte Kunden dürfen während der Messe mit in die Wüste fahren und mal so richtig drauflos schießen.

Deutschland ist auf dem riesigen Waffen-Basar gut vertreten. Gleich am Eingang stellt die Firma Rheinmetall ihre Fahrzeuge aus. Besonders ihr "Fuchs" ist beliebt in der Golfregion, weil er für bemannte Patrouille genauso wie zum Aufspüren von Chemie- oder gar radioaktiven Materialien geeignet ist. Den Emiratis werden gerade die ersten Modelle geliefert: Nach bester Werbung durch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hatten die Wüstenstaaten im Jahr 2005 gleich 32 der nicht gerade billigen Autos gekauft.

Kraftstrotzende Töne wie beim RPG-Dealer Karim gibt es bei Rheinmetall nicht. "Wir verkaufen unsere Waren wie jede andere Firma in anderen Branchen das auch tut", sagt der extra nach Abu Dhabi angereiste Pressesprecher. Der "Fuchs" sei ein "passives Gerät", in der Grundausstattung fast gar nicht bewaffnet. Danach platziert er sofort seine Schlagworte und die lauten "politische Kontrolle" und "Bundessicherheitsrat". Jeder hier auf der Messe wisse, dass deutsche Firmen nur mit Genehmigung Rüstungsgüter exportieren dürfen.

Übers Geschäft redet man in Abu Dhabi gern ungestört

Gleich um die Ecke von Rheinmetall steht ein weiterer deutscher Exportschlager in spe. Der sogenannte Fennek, produziert von KMW, trägt die Aufschrift "combat proven". Die Kampferprobung mit den Panzerwagen für drei Soldaten erledigt die Bundeswehr in Afghanistan. An dem Modell herrscht reges Interesse, gleich als drittes Modell rollte der Fennek bei der Eröffnungs-Vorführung über den Rallye-Kurs. Vor allem die Nato-Partner sind scharf auf das Gerät. Die deutsche Truppe, so flachst ein KWM-Mann, fahre am fernen Hindukusch "sozusagen Reklame für uns".

Wie zum Beweis kreuzt urplötzlich Hans-Otto Budde, Heeres-Inspekteur der Bundeswehr, am Stand der KMW auf. Der General hat nicht viel Zeit. Wie seine Kollegen aus den militärischen Eliten von 50 Ländern, die sich auf der Messe nach den neuesten Gerät umsehen, hat er ein langes Programm. Auf eine Zigarette aber lässt er sich von dem KMW-Chef doch einladen. Als er am Fennek vorbeikommt, grinst er. "Unser bestes Fahrzeug." Dann verschwindet er in der VIP-Lounge von KMW. Übers Geschäft redet man in Abu Dhabi gern ungestört.

Worüber die Deutschen hinter vorgehaltener Hand klagen, ist für Waffenhändler wie Herrn Karim ein Fremdwort. "Wir haben keine Restriktionen für die Ausfuhr der Raketenwerfer", sagt er ohne die Miene zu verziehen, "wer bezahlen kann, wird beliefert". Was die RPGs kosten, will er aber nicht verraten, das komme immer auf die Menge an. Dann fällt ihm doch noch eine Grenze ein. "Die Iraner würde ich nicht beliefern", sagt er. Offiziell ist der Mullah-Staat freilich nicht auf der Messe, doch jeder hier weiß, dass Iran sich natürlich auch auf einer Messe wie dieser informiert.

Wer das große Geschäft mit den verängstigten Scheichs in Abu Dhabi gemacht hat, ist bisher noch nicht raus, denn die Messe geht noch einige Tage. Dass die Aufrüstung am Golf weitergehen wird, zeigen aber schon die großen Werbetafeln für die nächste IDEX, die freilich noch größer werden soll als dieses Jahr. "Es ist ein bisschen wie ein Familientreffen für unsere Industrie", sagt der Pressesprecher von Rheinmetall, "man trifft sich immer wieder". Besonders schön sei an Abu Dhabi das Wetter. Ansonsten sei es doch "eine ganz normale Messe wie jede andere auch".

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