Wall-Street-Ausblick Pizza backen fürs Himmelreich

Domino's Pizza, zweitgrößte Pizza-Kette der Welt, geht diese Woche an die Börse. Das Kapital des IPOs wird nicht nur dem Konzern selbst zu Gute kommen - es gibt einen stillen, streng gläubigen Nutznießer.

Von , New York


Domino's-Website: "Nicht so lecker wie's riecht"

Domino's-Website: "Nicht so lecker wie's riecht"

New York - Eigentlich wollte Tom Monaghan ja Pfarrer werden. Als Teenager meldete er sich freiwillig im Priesterseminar, wurde aber zu Ostern gleich schon wieder rausgeworfen, "wahrscheinlich, weil ich wilder war als die anderen Kinder".

Nach der High School, die er als Schlechtester seines Jahrgangs abschloss, schlug er sich als Trucker durch, trug Zeitungen aus, verkaufte selbst gefangene Fische, segelte mit dem Marine Corps durch den Pazifik und erstand schließlich mit seinem Bruder eine Pizza-Bude in einem Kaff namens Ypsilanti im US-Bundesstaat Michigan, mit einer Anzahlung von 500 Dollar in bar und 900 Dollar auf Pump. Die Bude hieß DomiNick's, benannt nach dem vorherigen Besitzer, der Monaghan einen 15-minütigen Kurs im Pizzabacken gab.

Monaghan (links) beim Verkauf von Anteilen an Bain Capital: 48 Millionen für 44 Prozent
AP

Monaghan (links) beim Verkauf von Anteilen an Bain Capital: 48 Millionen für 44 Prozent

Das war 1960. Inzwischen nennt sich die Firma Domino's Pizza und ist zur zweitgrößten Pizza-Kette der Welt geworden, nach Pizza Hut. Mit fast 7500 Filialen in den USA und 50 anderen Ländern machte der Konzern im vergangenen Jahr 1,33 Milliarden Dollar Umsatz. Er hat einen Bankrott überlebt und das Verscherbeln an die Bank (1969), Schadenersatzklagen von Kunden (1993) und den Verkauf an einen Großinvestor (1999). Jetzt dräut das nächste Abenteuer: Diese Woche geht Domino's an die US-Börse.

Unter dem Ticker-Kürzel DPZ will Domino's womöglich bereits ab heute an der New York Stock Exchange 24,1 Millionen Aktien auf den Markt werfen, zu 15 bis 17 Dollar pro Stück. Den erhofften Erlös, im besten Fall bis zu 409 Millionen Dollar, plant die Firma nicht zuletzt zur Abzahlung von Schulden zu verwenden. Das Konsortium führen JP Morgan Chase und Citigroup.

Doch es gibt noch einen anderen Nutznießer dieser Börsenganges. Der zweitgrößte private Anteilseigner ist mit 27 Prozent immer noch Tom Monaghan, inzwischen 67, der vor sechs Jahren 49 Prozent von Domino's an die Bostoner Investmentfirma Bain Capital verkauft hat, Das Unternehmen hält seither mit 65 Prozent die Mehrheit an dem Konzern. Während Bain seinen Anteil durch den IPO auf 43,8 Prozent reduzieren will, hat Monaghan vor, 14,7 Millionen Domino's-Aktien zu veräußern. Das würde ihm rund 48 Millionen Dollar einbringen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.