Wall Street Kurssturz nach Gerücht über Irak-Einmarsch

An der Wall Street sind die Aktienkurse kurzzeitig eingebrochen. Grund war die Meldung eines Fernsehsenders, wonach sich bereits US-Truppen in Irak befinden.


Panik unter den Börsianern: New York Wall Street
EPA/DPA

Panik unter den Börsianern: New York Wall Street

Washington - Das Pentagon versuchte am Dienstag den Gerüchten entgegenzutreten. Oberstleutnant Dave Lapan erklärte, das Gerücht stamme vom Sender Fox News, der einen Bericht von der vergangenen Woche wiederholt habe, der vom Pentagon schon dementiert worden sei. Der Dow Jones Index, der zwischenzeitlich um 140 Punkte gefallen war, erholte sich danach wieder etwas auf 10.093 Punkte.

Für die deutschen Aktienmärkte waren unterdessen eher die Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA entscheidend. Allerdings folgte das Kursbarometer keiner klaren Richtung. Der Leitindex Dax legte zunächst nach einem unerwartet optimistischen ifo-Geschäftsklimaindex für Februar deutlich zu. Nachdem eine gesunkene Zuversicht der US-Verbraucher bekannt wurde, ging ein Teil der Gewinne jedoch wieder verloren. Am frühen Abend stand der Dax mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 4886 Punkten. Das Tageshoch hatte noch 4937 Zähler betragen.

Der Nemax 50 wurde 0,6 Prozent fester bei 1005 Zählern ebenfalls deutlich unter seinem Tageshoch notiert. Der MDax lag um 0,4 Prozent im Plus bei 4327 Stellen.

Bei halbwegs stabilen Umsätzen sei der gesamte Markt in Deutschland durch das US-Verbrauchervertrauen gedrückt gewesen, sagte ein Wertpapieranalyst in Frankfurt. Während Technologiewerte geschlossen zulegten, hätten sich Chemie und Automobiltitel uneinheitlich verhalten. Weiterhin seien die Anleger hin und her gerissen zwischen der Hoffnung auf einen Konjunkturaufschwung und der Enronitis genannten Furcht vor Millionen schweren Bilanztricks. Für zusätzliche Zurückhaltung hätte die in der Nacht erwartete Vorstellung des japanischen Konjunkturprogramms gesorgt.

Obwohl das Bundeskartellamt dem US-Medienkonzern Liberty Media endgültig den massiven Einstieg in das deutsche TV-Kabelnetz verboten hat, stieg der Kurs der T-Aktie um 1,22 Prozent auf 15,75 Euro. Nach Aussage von Händlern gibt es am Markt Hoffnung, dass für das Kabelnetz auch andere Unternehmen als Käufer in Frage kämen.

BASF-Aktien zogen um 1,45 Prozent auf 43,27 Euro an, während Degussa 0,12 Prozent auf 33,74 Euro einbüßten. Ein geteiltes Bild boten auch die Automobilwerte: Während DaimlerChrylser um 0,20 Prozent auf 45,59 Euro stiegen und Volkswagen sich um 1,82 Prozent auf 53,25 Euro verbesserten, verloren BMW 0,12 Prozent auf 41,60 Euro.

Das Papier des Stahlkonzerns ThyssenKrupp stieg nach anfänglichen Verlusten um 2,73 Prozent auf 17,31 Euro. Das Unternehmen hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wegen der Konjunkturschwäche einen kräftigen Gewinneinbruch verzeichnet. Dennoch übertraf das Ergebnis die Erwartungen der Analysten.

Aktien der Siemens-Familie zeigten sich kräftig erholt. Epcos verbesserten sich nach Analystenkommentaren um 2,63 Prozent auf 42,20 Euro, Infineon legten um 1,48 Prozent auf 25,37 Euro zu und Siemens stiegen um 1,76 Prozent auf 65,34 Euro.



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