Wall Street US-Rettungsplan sorgt für Kursfeuerwerk

Das neue US-Rettungspaket für die Finanzbranche umfasst bis zu einer Billion Dollar - und die Börsen feiern es: Der Dow Jones gewann fast sieben Prozent. Doch Experten warnen vor einem "Bullenrennen auf dünnem Eis". Und US-Präsident Obama betont, die Konsolidierung brauche Zeit.


New York - Jubel an der Wall Street: Die US-Börsen haben am Montag nach der Veröffentlichung eines Hilfsprogramms der US-Regierung für die schwer angeschlagenen amerikanischen Banken den Handel mit starken Kursgewinnen beendet. Die New Yorker Börsen feierten den Plan des US-Finanzministers Timothy Geithner, hieß es von Marktbeobachtern. Die Regierung in Washington hatte ein Programm zum Kauf von faulen Wertpapieren von bis zu einer Billion US-Dollar (740 Milliarden Euro) aufgelegt. Ziel sei, privates Kapital für den Kauf dieser Vermögenswerte anzulocken und dadurch die Bilanzen der Banken von diesen erheblichen Belastungen zu befreien. "Das wird den Banken erlauben, ihre Bilanzen aufzuräumen", zeigte sich Geithner zuversichtlich.

Das Flehen hat geholfen: Es geht aufwärts mit den Kursen
AFP

Das Flehen hat geholfen: Es geht aufwärts mit den Kursen

Der US-Leitindex Dow Jones Chart zeigenschloss mit plus 6,84 Prozent auf 7775,86 Zählern. Der marktbreite S&P-500-Index legte um 7,08 Prozent zu auf 822,92 Zähler. An der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen gewann der Composite-Index 6,76 Prozent auf 1555,77 Zähler. Der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 6,12 Prozent auf 1259,81 Punkte.

Zu den größten Gewinnern zählten die Aktien der führenden US-Finanzkonzerne. Die Aktien der Bank of America Chart zeigen rückten um 26,01 Prozent auf 7,80 Dollar vor und standen an der Spitze der Gewinner im Dow Jones. Die Papiere der Citigroup Chart zeigen schlossen am Ende mit einem Plus von 19,47 Prozent auf 3,13 Dollar, und die Aktien von JPMorgan sprangen 24,67 Prozent auf 28,86 Dollar. Trotz der zum Teil starken Kursgewinne gab es auch warnende Stimmen von Börsen-Experten: Sie sprachen von einem "Bullenrennen auf dünnem Eis".

Auch die Aktien des schwer angeschlagenen Versicherungskonzerns American International Group (AIG) Chart zeigenkonnten mit der allgemein guten Stimmung für Finanzwerte kräftig zulegen. Die Papiere von AIG gewannen 17,46 Prozent auf 1,48 Dollar.

Ebenfalls im Plus: die Aktien der großen Ölkonzerne. Im Zuge der starken Kursentwicklung an den Aktienmärkten sprang auch der Ölpreis zuletzt deutlich nach oben. Davon hätten die Ölwerte zuletzt profitiert, hieß es von Händlern. So schlossen die Aktien von Exxon Mobil Chart zeigen den Handel mit einem Aufschlag von 6,72 Prozent auf 70,53 Dollar und die von Chevron Chart zeigen mit 6,86 Prozent auf 69,15 Dollar.

Der Kurs des Euro Chart zeigen sprang im Tagesverlauf wieder über 1,36 US- Dollar und stand am Abend bei 1,3636 Dollar. Am US-Rentenmarkt gaben richtungweisende zehnjährige Anleihen um 10/32 Punkte auf 100 21/32 Punkte nach.

500 Milliarden Dollar für Giftpapiere und faule Kredite

Im Zentrum des am Montag in Washington vorgestellten Plans des Finanzministeriums steht ein privat-öffentliches Programm. Privatsektor und der Staat sollen demnach das Risiko gemeinsam schultern, sich aber auch mögliche Profite teilen. Durch die Teilnahme privater Investoren an dem Programm soll außerdem ein Mechanismus zur Preisfindung etabliert werden, um zu verhindern, dass der Staat zu viel für die notleidenden Vermögenswerte bezahlt.

Die Mittel für das "Public-Private Investment Program" sollen aus dem im vergangenen Oktober beschlossenen, 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für das Finanzsystem kommen. Gemeinsam mit Garantien und Kreditprogrammen der US-Einlagensicherungsbehörde FDIC und der US-Notenbank ist zunächst der Ankauf von 500 Milliarden Dollar an sogenannten Giftpapieren und faulen Krediten angepeilt. Das Programm könne schließlich "mit der Zeit" auf bis zu eine Billion Dollar ausgeweitet werden, hieß es vom Finanzministerium. Als Privatinvestoren sollen etwa Hedgefonds, Pensionsfonds oder Versicherungen gewonnen werden.

Ziel dieses Ansatzes sei, mit den eingesetzten Steuergeldern das Maximum zu erreichen. "In Finanzkrisen wollen die Leute immer, dass die Regierung das meiste Risiko schultert", sagte Finanzminister Geithner. "Wir versuchen hingegen, eine Balance zu finden, die besser für den Steuerzahler ist."

Barack Obama hat den Plan seiner Regierung zum Aufkauf fauler Wertpapiere als entscheidend für die Erholung der US-Wirtschaft bezeichnet. Allerdings werde das Vorhaben die Kreditmärkte nicht über Nacht wieder in Gang bringen können, sagte der US-Präsident am Montag vor Journalisten. Das Finanzsystem sei noch sehr zerbrechlich. "Wir haben noch einen langen Weg vor uns und viel Arbeit zu erledigen", sagte der Präsident nach Unterredungen mit Finanzminister Timothy Geithner und US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Weltweit hatten die Finanzmärkte schon vor dem Handelsende an der Wall Street erleichtert auf das Vorhaben reagiert: Die Börsen in Asien und Europa drehten ins Plus. Der Dax Chart zeigen beendete den Handel 2,7 Prozent im Plus bei 4176 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit rund einem Monat.

fsc/dpa/Reuters/dpa-AFX



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