Walt Disney Kauf von Pixar rückt in greifbare Nähe

Wegen eines Streits mit Ex-Disney-CEO Eisner wollte Pixar-Chef Steve Jobs die jahrelange Kooperation eigentlich beenden. Seitdem bemüht sich Disney, die Beziehungskrise wieder in den Griff zu bekommen. Nun sind die Partner sogar in ernsthaften Gesprächen über einen Kauf von Pixar.


New York - Für Disney wäre der Kauf von Pixar ein echter Gewinn. Der Traditionskonzern befindet sich derzeit in einem schwierigen Transformationsprozess: Das Unternehmen will weg von den handgezeichneten Filmen, die es berühmt gemacht haben, hin zu Computer-animierten Produktionen. Der erste Versuch in diese Richtung - der kürzlich gestartete Film "Himmel und Huhn" ("Chicken Little") - war ein eher bescheidener Erfolg.

Disneys "Chicken Little": Weg von den handgezeichneten Filmen
REUTERS

Disneys "Chicken Little": Weg von den handgezeichneten Filmen

Nach derzeitigem Stand der Diskussion würde Disney einen Preis von insgesamt 6,7 Milliarden Dollar in Form von Aktien für Pixar bezahlen, wie die "New York Times" berichtet. So würde der Pixar-CEO und Apple-Chef Steve Jobs mit einem Schlag auch noch zum größten Anteilseigner von Disney. Nach derzeitigem Verhandlungsstand soll Jobs dem Blatt zufolge einen Platz im Disney-Board einnehmen. John Lasseter, der unter anderem bei "Toy Story" Regie führte, würde eine entscheidende Rolle im Trickfilmgeschäft von Disney bekommen.

Derzeit feilschen die beiden Unternehmen der Zeitung zufolge jedoch noch um den endgültigen Preis für Pixar. Außerdem könnte eine plötzliche, heftige Bewegung des Aktienkurses von Pixar zu einem Abbruch der Gespräche führen, heiße es aus Insiderkreisen. Derzeit seien andere Optionen deshalb durchaus noch denkbar. So könnten sich Pixar und Disney eventuell auch nur auf eine Fortsetzung der jahrelangen Kooperation einigen, im Rahmen derer Disney von Pixar finanzierte Filme vertreibt. Die Gespräche seien jedoch an einem sensiblen Punkt angelangt.

Pixar und Disney arbeiten seit mehr als 12 Jahren eng zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation hat Disney Pixar-Filme wie "Toy Story" und "Findet Nemo" vertrieben und kofinanziert. Wegen einer Auseinandersetzung mit dem damaligen Disney-CEO Michael Eisner kündigte Jobs vor zwei Jahren jedoch an, die Partnerschaft zu beenden wenn die Kooperationsverträge in diesem Jahr auslaufen.

Das neue Disney-Oberhaupt Robert Iger, der Eisner letzten Oktober ersetzte, erklärte es zur Chefsache, die Verbindung beider Unternehmen zu retten. Schließlich war die Zusammenarbeit mit Pixar die einzige Möglichkeit für Disney, vom Boom der Computer-animierten Pixar-Filme zu profitieren. Letzten Herbst ermöglichte Iger es Jobs deshalb sogar, Disney-Fernsehformate wie "Lost" und "Desperate Housewives" zum Runterladen auf den iPod zugänglich zu machen.



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