Walter Bau Bahnchef weist Mitschuld an Insolvenz zurück

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat dem insolventen Konzern Walter Bau üble Nachrede vorgeworfen. Es sei nicht wahr, dass die Bahn als säumiger Zahler Mitschuld an der Situation der Baufirma trage.


Hartmut Mehdorn: Die Bahn zahlt nach seiner Darstellung ihre Rechnungen
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Hartmut Mehdorn: Die Bahn zahlt nach seiner Darstellung ihre Rechnungen

Berlin - "Wir haben uns exakt an die vereinbarten Zahlungsziele gehalten", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bahn AG am Mittwoch in Berlin. Mehdorn warf Walter Bau und der Bauindustrie allgemein vor, wahrheitswidrig über die Zahlungsmoral der Bahn zu berichten. Wenn die Bahn offene Rechnungen bei Walter Bau habe, dann deshalb, weil vor Gericht darüber gestritten werde.

Selbst wenn Walter Bau "alle Prozesse gewinnen würde, was unwahrscheinlich ist, handelt es sich höchstens um eine Summe von 30 bis 40 Millionen Euro", so Mehdorn. Er sprach von einer Gesamtsumme von 460 Millionen Euro Bahn-Aufträgen für Walter Bau, die alle bezahlt seien, und 490 Millionen "Nachträgen", also nachträglich geltend gemachter Zusatzleistungen, von denen 150 Millionen bezahlt seien. Über wesentliche Teile des offenen Rests werde gestritten.

Die Bahn baue mit Walter zwei Großprojekte. Eines davon, die Neubaustrecke Nürnberg-München, sei fast fertig. Deshalb befürchte er dort keine Verzögerungen. Anders verhalte es sich bei dem zweiten Großprojekt, dem Bahnhof Papestraße in Berlin. Hier habe die Bahn gemäß einer Vereinbarung mit Walter Zahlungen für Subunternehmer geleistet, die der Konzern aber "nicht durchgereicht" habe. "Deshalb suchen wir jetzt nach Wegen, die Subunternehmer direkt zu bezahlen." Bei dem Bahnhof handelt es sich um einen wichtigen Kreuzungspunkt im Süden Berlins, der bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 betriebsbereit sein soll.



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