Warenhaus-Pleite Metro plant Kauf von Karstadt - und Weiterverkauf

Karstadt ist noch keinen Tag insolvent, da treibt Rivale Metro schon die mögliche Fusion mit der eigenen Tochter Kaufhof voran. Konzernchef Cordes verspricht einen "fairen Preis", laut "Handelsblatt" ist auch ein Investor aus Italien beteiligt - an den die Warenhäuser am Ende ganz gehen könnten.

Düsseldorf - Ein Unternehmer aus Italien zeigt Interesse am neuen Unternehmen, das aus einer Fusion zwischen Karstadt und Kaufhof entstehen könnte. Investor Maurizio Borletti ist laut einem Bericht des "Handelsblatts" an einer Beteiligung an einem möglichen neuen deutschen Warenhauskonzern interessiert.

Karstadt-Filiale (in Frankfurt): Metro verspricht "fairen Kaufpreis"

Karstadt-Filiale (in Frankfurt): Metro verspricht "fairen Kaufpreis"

Foto: REUTERS

Nach der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor   plant der Chef des Rivalen Metro  , Eckhard Cordes, die Übernahme der Karstadt-Häuser, um sie mit der eigenen Tochter Kaufhof zusammenzulegen. Dabei prüft der Manager laut "Handelsblatt" bereits den Weiterverkauf des dabei entstehenden neuen Warenhauskonzerns an einen ausländischen Käufer.

In Kreisen zweier beteiligter Investmentbanken werde Borletti als Interessent genannt. Dieser solle dabei von einem nicht genannten Finanzinvestor unterstützt werden. Borletti sagte dem "Handelsblatt": "Es laufen derzeit Diskussionen, an denen wir uns beteiligt haben. Aber angesichts der delikaten Lage ziehe ich es vor, nicht zu kommentieren."

Finanzkreisen zufolge hat Goldman-Sachs-Deutschland-Chef Alexander Dibelius den Kontakt zwischen Cordes und dem Warenhaus-Unternehmer Borletti vermittelt. Eine Goldman-Sprecherin sagte, ihr sei davon nichts bekannt. Auch bei Metro äußerte sich zu einer möglichen Übernahme der geplanten Deutschen Warenhaus AG durch den Italiener bedeckt. "Uns liegt dazu nichts vor", sagte ein Sprecher. Er bestätigte aber, dass Metro die Warenhäuser zunächst einer ein- bis zweijährigen Umstrukturierung unterziehen wolle, um sie dann mehrheitlich abzugeben. Dabei sei auch der Börsengang eine Option.

"Jedes Haus verdient eine Chance"

"Wir wollen einen starken Kaufhauskonzern bauen", sagte Metro-Chef Cordes am Dienstagabend dem ZDF. "Wir haben ein kurz- und mittelfristiges Ziel, dieses neue Ganze zu schaffen, und ich glaube sogar, und da bin ich jetzt ganz tollkühn, dass es die Möglichkeit geben könnte, ein solches neues Unternehmen an die Börse zu bringen", betonte der Metro-Chef im "heute-journal". Metro sei aber nicht auf Schnäppchenjagd, sondern wolle einen "fairen Kaufpreis" zahlen.

Nach der geplanten Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof sollten von den dann insgesamt gut 200 Warenhäusern etwa 160 erhalten bleiben. Zugleich zeigte Cordes sich zuversichtlich, dass es keine kartellrechtlichen Bedenken geben sollte. Es habe dazu bereits Vorgespräche gegeben.

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) appellierte an die künftigen Betreiber der Warenhäuser, die Insolvenz als Chance zu nutzen. "Jedes Haus verdient eine Chance, jede Stadt braucht Unterstützung", sagte er der "Leipziger Volkszeitung". "Jetzt gilt es, alles zu unternehmen, um allen Standorten eine Perspektive zu geben. Das sind wir den dort arbeitenden Frauen und Männern und den betroffenen Städten schuldig." Er wolle dazu nach besten Kräften mit flankierender städtebaulicher Förderung einen Beitrag leisten.

"Die Insolvenz bedeutet nicht das Aus"

Auch der Deutsche Städtetag drängt auf den Erhalt der Karstadt-Häuser. Sie hoffe, dass trotz des Insolvenzantrags "möglichst viele der Kaufhäuser erhalten bleiben und Arbeitsplätze in einem sehr großen Umfang gerettet werden können", sagte Städtetagspräsidentin Petra Roth der "Passauer Neuen Presse". "Die betroffenen mehr als 70 Städte haben ein starkes Interesse an Lösungen für die Beschäftigten und daran, dass die Warenhäuser auch unter veränderten Vorzeichen weiter zu attraktiven Innenstädten beitragen können", so die CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main. Im Falle von Schließungen sollten betroffene Städte unbürokratisch zusätzliche Städtebauförderungsmittel im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" erhalten.

Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sieht in der Insolvenz große Chancen für einen Neuanfang des Unternehmens. "Die Insolvenz bedeutet nicht das Aus", sagte er der "Berliner Zeitung". Der Insolvenzverwalter müsse nun größtmögliche Potentiale für alle Unternehmensteile analysieren und dann realisieren. Das gelte auch für das im bayerischen Fürth beheimatete Versandhaus Quelle.

Kurz vor dem Auslaufen lebenswichtiger Darlehen hatte Arcandor am Dienstag die Reißleine gezogen und für sich und die Töchter Karstadt, Primondo und Quelle Insolvenzanträge gestellt. Kunden sollen dennoch wie gewohnt bei Karstadt einkaufen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte die Entscheidung, Arcandor keine staatliche Hilfe zu gewähren.

Der Konzern um die traditionsreiche Kaufhaus-Kette Karstadt könnte nun - 128 Jahre nach der Gründung des ersten Hauses - zerschlagen werden. Rund 43.000 Beschäftigte der Karstadt-Mutter Arcandor bangen um ihre Arbeitsplätze. Die Geschäfte laufen aber weiter. Das erfahrene Duo aus Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und dem eigens ernannten Arcandor-Bevollmächtigten Horst Piepenburg soll unter dem Schutz des Insolvenzverfahrens Arcandor sanieren und möglichst viele Stellen erhalten.

ffr/AFP/dpa/Reuters
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