Warenhauskonzern Prüfer lehnen Staatshilfe für Arcandor ab

Arcandor droht die Insolvenz: Nach Informationen von manager-magazin.de sprechen staatlich eingesetzte Wirtschaftsprüfer dem Warenhauskonzern die nötige Substanz für die erhoffte Staatsbürgschaft ab. Damit wird es für das Unternehmen schwer, die Pleite abzuwenden.

Von Karsten Stumm


Essen - Es ist ein Papier, das das Ende von einem der prominentesten deutschen Unternehmen besiegeln könnte: Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) haben Arcandor Chart zeigen in einem Gutachten die Eignung für Staatshilfen abgesprochen. Das hat manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfahren. Arcandor selbst wollte bisher nicht Stellung nehmen, PwC ebenfalls nicht. manager-magazin.de liegt das Gutachten in Auszügen vor.

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Dabei kommen die Wirtschaftsprüfer in ihrer Untersuchung zu folgenschweren Schlüssen: Die Bürgschaftsübernahme sei mit erheblichen Risiken behaftet, schreiben sie. Der Konzern verfüge mittlerweile praktisch über keine freie Substanz mehr. Darüber hinaus könnten künftige Beteiligungsverkäufe zu erheblichen Buchverlusten führen.

Schließlich widersprechen die PwC-Prüfer der Behauptung des Unternehmens, es sei durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten - was als Voraussetzung für Bundeshilfen gilt. Arcandor befinde sich vielmehr seit Jahren in Schwierigkeiten, wodurch die Liquidität des Unternehmens stetig aufgezehrt worden sei, urteilen die PwC-Prüfer rigoros.

Prüfergebnis setzt Eick unter Druck

PricewaterhouseCoopers ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums eine der Gesellschaften, die für die Bundesregierung prüfen sollen, ob Unternehmen, die in Berlin einen Antrag auf Staatshilfe aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise gestellt haben, überhaupt den Kriterien dafür genügen.

Das Ergebnis dieser Prüfung setzt Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick nun erheblich unter Druck. Am Donnerstag hatte sich der interministerielle Bürgschaftsausschuss der Bundesregierung erstmals vertraulich mit dem Antrag von Arcandor auf Staatsbürgschaften über 650 Millionen Euro befasst, hat das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt. Eick sagte anschließend, diese Gespräche seien "sehr gut verlaufen".

Der Aktienkurs Chart zeigen des Unternehmens stieg daraufhin bis Freitag Nachmittag in der Spitze um etwa zehn Prozent auf 2,34 Euro. Bis zum Xetra-Schluss rutschte das Papier dann aber um rund 10 Prozent ins Minus und schloss als schwächster MDax-Wert bei 1,91 Euro.

Händler führten den Aufschwung am Vormittag vor allem auf die vermeintlich gestiegenen Aussichten für Staatsbürgschaften für Arcandor zurück. Doch genau gegen diese Bürgschaften haben sich nach Informationen von manager-magazin.de jetzt die PwC-Wirtschaftsprüfer der Bundesregierung ausgesprochen.

Das aber könnte kritisch werden für den Warenhauskonzern, denn Arcandor muss bis zum 12. Juni Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro bei seinen drei großen Gläubigerbanken BayernLB, Dresdner Bank und der Royal Bank of Scotland Chart zeigen refinanzieren. Alle drei verlangen ein Sanierungskonzept für die defizitären Karstadt-Warenhäuser und den Quelle-Versandhandel sowie eine Absicherung der Kredite durch den Staat. "Wenn wir die Bürgschaft nicht erhalten, stünde Arcandor vor der Insolvenz", hatte Eick deshalb bereits vor Wochen zugegeben.

Aufgrund der Brisanz des staatlichen Prüfungsergebnisses hat der Arcandor-Vorstand das Ergebnis der PwC-Untersuchung dann auch umgehend an eigene Berater weitergeleitet. Nach Informationen von manager-magazin.de wurden unter anderem unverzüglich Partner des Berliner Beraterteams der Unternehmensberatung Roland Berger in Kenntnis gesetzt sowie Berliner Partner der internationalen Anwaltssozietät Wilmer Hale, deren Sitz in der Bundeshauptstadt nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt liegt.

Kritisch könnten sich für Arcandor nun auch die Kreditverhandlungen mit der staatseigenen Förderbank KfW entwickeln. Arcandor hat dort neben der Bitte um Bundesbürgschaften nach eigenen Angaben einen Antrag auf Darlehen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro gestellt. Die PricewaterhouseCoopers-Prüfer urteilten in ihrer Stellungnahme allerdings, Investments in Arcandor seien "für Banken nicht werthaltig". Arcandor aber gibt an, dass sowohl die Bürgschaften als auch der Millionenkredit nötig seien, um das Unternehmen vor der Pleite zu retten.

Karstadt mobilisiert Öffentlichkeit

Karstadt hat deshalb am Freitag eine bundesweite Unterschriftenaktion in seinen Kaufhäusern begonnen und Kunden um Unterstützung für die überlebenswichtige staatliche Hilfe gebeten. In der Essener Innenstadtfiliale der Kaufhauskette beispielsweise wollen die zwei Oberbürgermeister-Kandidaten der Ruhrgebietsstadt an der Aktion teilnehmen, hat das Gesamtbetriebsratsmitglied Gabriele Schuster des Essener Warenhauskonzerns bestätigt. Arcandor hat wiederholt darauf hingewiesen, dass im Falle der Insolvenz mehr als 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht seien.

Das PwC-Gutachten bringt allerdings nicht nur das Unternehmen Arcandor und dessen Managementteam um Vorstandschef Eick in Zugzwang. Es dürfte auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier stark unter Druck setzen. Der Vizekanzler sagte jüngst, die Haltung der Union zu Arcandor laufe auf "Pleite und anschließend eine Leichenfledderei" hinaus. Ihm war daraufhin "Wahlkampfrhetorik" vorgehalten worden. Die PwC-Gutachter kommen nun in ihrer Prüfung zu dem Schluss, dass Arcandor schlicht nicht die wirtschaftlichen Voraussetzungen biete, um Steuergelder in das Unternehmen zu stecken.

Die endgültige Entscheidung über Staatshilfen für Arcandor wird im sogenannten Lenkungsausschuss und Lenkungsrat des Bundes getroffen. Die Sitzungstermine dafür stehen nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums noch nicht fest. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat jedoch die zügige Prüfung des Arcandor-Antrags auf Staatshilfe zugesagt.

Fusion mit Kaufhof?

Parallel verhandelt der Arcandor-Vorstand aber auch über eine Fusion seiner Warenhauskette Karstadt mit dem Konkurrenten Kaufhof. Zusammen kämen Karstadt und Kaufhof in der Bundesrepublik auf mehr als 200 Warenhäuser und rund 38.000 Mitarbeiter, von denen im Zuge der Fusion aber anscheinend viele Filialen geschlossen und Mitarbeiter entlassen würden.

Arcandor-Chef Eick und Eckhard Cordes, Chef der Kaufhof-Mutter Metro Chart zeigen, haben sich nach eigenen Angaben bereits getroffen, um die Möglichkeiten einer Fusion der beiden Kaufhausketten zu einer "Deutschen Warenhaus AG" auszuloten.

Arcandor-Sprecher haben allerdings am Freitag erneut betont, dass es diese Warenhausallianz nicht auf der Grundlage der Insolvenz von Arcandor oder Karstadt geben werde. Die allerdings ist durch das Ergebnis des PwC-Prüfberichts zumindest erheblich wahrscheinlicher geworden.

Arcandor: "Sanierungsfähigkeit ist festgestellt"

Arcandor nahm am Freitag Abend zu dem Bericht von manager magazin.de Stellung. Die zitierten Aussagen würden "nicht die gestrige Diskussionsgrundlage im Bürgschaftsausschuss" widerspiegeln, erklärte das Handelsunternehmen. Aussagen würden "aus dem Zusammenhang gerissen und einseitig dargestellt." Natürlich bestünden im aktuellen Wirtschaftsumfeld Risiken. Die Sanierungsfähigkeit von Arcandor sei durch ein aktuelles Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vom 20. Mai gerade erst festgestellt worden.

Mit Material der Nachrichtenagenturen



insgesamt 439 Beiträge
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Seite 1
Askan 20.04.2009
1.
Zitat von sysopArcandor trifft die Wirtschaftskrise mit voller Wucht, das Management hat dem Konzern einmal mehr ein Umbauprogramm verordnet. Vor allem bei den Warenhäusern von Karstadt brennt es. Doch ist da überhaupt noch etwas zu retten? Oder hat sich das gute alte Kaufhaus überlebt?
Es hat sich überlebt. Beispiele sind die großen Warenhäuser wie Karstadt und Hertie sowie zahlreiche mittelständischen Kaufhäuser, die sich immer mehr aus den Stadtzentren entfernen. Wer sich heute die Citys ansieht wie z.B. Heilbronn oder Karlsruhe, immerhin Städte mit Zentralitätsfunktion, den packt das kalte Grausen. Auch kleinere Sädte haben Probleme, z.B. Coburg, wo eine Entscheidung über die Schließung des Kaufhofes ansteht und ein namhaftes Kaufhaus seine Schließung zum Ende des Jahres angekündigt hat. Darüber hinaus haben auch andere Kaufhäuser Probleme, Woolworth, Sinn und Leffers, Wehmeyer, Poland, etcetc. Die Metro wäre froh, sie könnte Kaufhof abgeben. Die Kaufhalle gibt es schon lange nicht mehr. Es sind inzwischen zuviele Beispiele, um mit dem Fehlverhalten einzelner Unternehmen zu argumentieren. Die Städte müssen umdenken. Große Kaufhaustempel werden auf Dauer verschwinden, das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich geändert in Richtung Discounter, grüne Wiese mit bequemen Parkmöglichkeiten und Internet. Der Fachhandel wird in den Cities durch die fehlende Anziehungskraft der Kaufhäuser ebenfalls massiv leiden und aufgeben. Die Städte werden nach den Handelsunternehmen in den Cities die nächsten Verlierer sein. Wo sind die Ansätze für die Neuorientierung der Innenstädte?
Senfkorn, 20.04.2009
2.
Zitat von AskanEs hat sich überlebt. Beispiele sind die großen Warenhäuser wie Karstadt und Hertie sowie zahlreiche mittelständischen Kaufhäuser, die sich immer mehr aus den Stadtzentren entfernen. Wer sich heute die Citys ansieht wie z.B. Heilbronn oder Karlsruhe, immerhin Städte mit Zentralitätsfunktion, den packt das kalte Grausen. Auch kleinere Sädte haben Probleme, z.B. Coburg, wo eine Entscheidung über die Schließung des Kaufhofes ansteht und ein namhaftes Kaufhaus seine Schließung zum Ende des Jahres angekündigt hat. Darüber hinaus haben auch andere Kaufhäuser Probleme, Woolworth, Sinn und Leffers, Wehmeyer, Poland, etcetc. Die Metro wäre froh, sie könnte Kaufhof abgeben. Die Kaufhalle gibt es schon lange nicht mehr. Es sind inzwischen zuviele Beispiele, um mit dem Fehlverhalten einzelner Unternehmen zu argumentieren. Die Städte müssen umdenken. Große Kaufhaustempel werden auf Dauer verschwinden, das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich geändert in Richtung Discounter, grüne Wiese mit bequemen Parkmöglichkeiten und Internet. Der Fachhandel wird in den Cities durch die fehlende Anziehungskraft der Kaufhäuser ebenfalls massiv leiden und aufgeben. Die Städte werden nach den Handelsunternehmen in den Cities die nächsten Verlierer sein. Wo sind die Ansätze für die Neuorientierung der Innenstädte?
Also ich sehe in den Städten, nachdem die Kaufhäuser ausgestorben sind, nur noch Modeläden für junge Frauen, Schuhläden und Handyläden. Vielleicht ein oder zwei Schreibwarengeschäfte und die obligatorische Buchhändlerkette Thalia. Braucht man Haushaltswaren oder Kleidung für Leute über 40, die nicht mehr im junge Leute Look rumlaufen wollen, kann man lange suchen. Kein Wunder dass alle zum Discounter rennen wenn der Haushaltswaren im Angebot hat, es gibt ja sonst nirgends mehr etwas.
ArbeitsloserMathematiker 20.04.2009
3. Nostalige
Karstadt war für mich immer so etwas wie ein "Konsumanker". Außerdem versinnbildlicht Karstadt mit seinem "80er-Jahre Charme" auch die gute alte (Schmidt)-Kohlsche-BRD. Und ja: Ich fand West-Berlin mit Mauer wesentlich interessanter als heute.
Geziefer 20.04.2009
4. Von den Quelle-Shops ist keine Rede
Zitat von sysopArcandor trifft die Wirtschaftskrise mit voller Wucht, das Management hat dem Konzern einmal mehr ein Umbauprogramm verordnet. Vor allem bei den Warenhäusern von Karstadt brennt es. Doch ist da überhaupt noch etwas zu retten? Oder hat sich das gute alte Kaufhaus überlebt?
In dem Gejammer um den Abgang der Luxus-Kaufhallen, deren Waren für Kleinverdiener unerschwinglich sind, geht offenbar völlig unter, dass ca. 1.500 Quelle-Shops dicht gemacht werden sollen. Wer diese kleinen Lädchen auf dem Lande kennt, weiß, dass man dort in den Katalog schauen und gleich bestellen konnte, ein paar Tage später kam die Ware, vom Bügeleisen bis zur Waschmaschine, bezahlt werden konnten die Raten bar im Quelle-Shop. Zugleich ein dörflicher oder kleinstädtischer Treffpunkt zum miteinander reden, werden hunderte von Frauen, die auf das Einkommen aus den Quelle-Lädchen angewiesen sind, ihren Job verlieren. Offenbar kein öffentliches Thema. Stattdessen wird darüber gejammert, dass die "arme" Oberschicht ihren Kaviar nicht mehr im KDW einkaufen könnte.
...ergo sum, 20.04.2009
5. na, da treten mir aber die Tränen in die Augen ....
Anscheinend haben zuviele dieser Kaufhäuser gedacht, sie könnten den Kundenzulauf ausschließlich über den Preis regeln. Das Problem allerdings ist /war z.B. für mich und viele Andere, das sogar dort minderwertige Ware zu einem lächerlich hohen Preis angeboten wurde, - also im Preis /Leistungsverhältnis. Jämmerliche Stoffzusammensetzungen, idiotische Farben /Farbzusammenstellungen, verblödete Schnitte, hundsmiserable Verarbeitung von Nähten, Schließleisten ect. und, um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, in völlig unübersichtlichen und nicht nachvollziehbaren "Raum"- = Warenaufteilungen (klar, renne mir die Hacken ab mehrmals quer durch´s halbe Kaufhaus um anstelle einer Jacke dann doch einen Blazer zu suchen, zudem fast nie zu sichtende Angestellte, die (hat man sie dann doch mal erwischt und sich geklammert) nicht nur einen völlig dämlichen Gesichtsausdruck haben, sondern entsprechend diesem auch antworten. Ganz ehrlich, - was soll ich mir die Zeit für DIESE Angebote an Waren UND ohne versierte Mitarbeiter an´s Bein binden, wenn ich es gemütlich, mit Café und Keksen am eigenen Monitor haben kann ? Nach Hause zu schleppen brauch´ich es dann ebenfalls nicht. Die Kaufhäuser haben, anstatt zu versuchen die potentiellen Käufer mit besonderem Service (z.B. anpassende Näharbeiten ect.) an sich zu locken und zu binden, feste geglaubt das es weiterhin ausreicht in großén Flächen irgendwelche Ständer aufzustellen, Kleidung dranzupappen und abzuwarten. Man könnte dazu noch vieles an begangenen Fehlern und verpaßten Chancen und Möglichkeiten aufzählen, allerdings interessieren sich die verantwortlichen Herrschaften nicht dafür. Na gut, dann eben Insolvenz. Wenn es so einfacher und besser ist. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Bosse sich mit ihren Finanzen jetzt einen geruhsamen Lebensabend vielleicht in der Karibik oder auf der Jacht gönnen. Blöd nur, daß die Mitarbeiter dafür auf das Arbeitsamt und die Steuergelder zurollen, - nicht konfortabel, selbstredend.
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