Warten auf das Bahn-Angebot Ab Mittwoch drohen neue Streiks

Montag und Dienstag ist erst einmal Ruhe – doch ab Mittwoch drohen wieder Streiks. Die Gewerkschaft macht die Entscheidung von dem neuen Angebot abhängig, das die Bahn nächste Woche vorlegt.


Frankfurt am Main – Der Streik soll vor allem Drohgebärde sein: Zwar haben Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und GDL-Chef Manfred Schell gestern neue Verhandlungen vereinbart – aber die Lokführer wollen zeigen, dass sie noch kampfbereit sind. Die GDL wies Forderungen nach einem sofortigen Abbruch des Streiks denn auch strikt zurück. Und sollte die Gewerkschaft das Tarifangebot, das die Bahn am Montag vorlegen will, als nicht verhandlungsfähig einstufen, kann es schon nächste Woche wieder Arbeitskämpfe geben.

Mehdorn hatte das neue Angebot bei einem Treffen mit Schell und dem Präsidium des Bahn-Aufsichtsrats gestern zugesagt. Schell hatte daraufhin erklärt, die eigentlich für Anfang der Woche angesetzten Streiks abzusagen. Für Mittwoch allerdings ist ein neuer Arbeitskampf nicht ausgeschlossen, betont die Gewerkschaft. "Wir haben zugesagt, dass am Montag und Dienstag nicht gestreikt wird, mehr nicht", sagte eine GDL-Sprecherin. Nur, wenn das Angebot der Bahn für neue Verhandlungen deutlich über das bisherige hinausgehe, werde die GDL bis Ende Oktober nicht mehr zu Arbeitskampfmaßnahmen greifen. "Wir hoffen, dass es ein solches ist, das eine Grundlage bietet, erstmals erfolgreich mit der GDL über einen eigenständigen Tarifvertrag zu verhandeln", sagte GDL-Chef Manfred Schell.

Der "Bild"-Zeitung zufolge will der Konzern aber nicht über das bisherige Tarifangebot von zehn Prozent mehr Gehalt hinausgehen. Ein Bahn-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren: Es werde noch an dem Angebot gearbeitet, sagte er nur. Neben den 4,5 Prozent, die mit den GDL-Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart sind, will die Bahn den Lokführern nach bisherigem Stand für zweieinhalb Stunden Mehrarbeit noch weitere fünf Prozent Aufschlag zugestehen.

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Selbst wenn die Bahn bei den zehn Prozent bleibt, ist noch denkbar, dass bei der Arbeitszeit Zugeständnisse gemacht werden. Denkbar ist auch, dass die Lokführer in eine andere Gehaltsgruppe eingestuft werden. Ob sich die GDL allerdings auf solche Kompromisse einlässt, ist fraglich und hängt nicht zuletzt von der Form des Angebots ab: Die zentrale Forderung der Gewerkschaft ist die nach einem eigenen Tarifvertrag.

Mit ihrem Streik heute haben die Lokführer schon große Teile des Regional- und S-Bahn-Verkehrs lahm gelegt. Insgesamt fielen laut Bahn 1700 Züge aus. Der Bahn-Vorstand für den Personenverkehr, Karl-Friedrich Rausch, sagte am Freitag in Berlin, der Osten Deutschlands sei stärker betroffen als der Westen. Auf der Strecke zwischen Leipzig und Halle hätten am Morgen "alle Züge gestanden". Im Westen gibt es vor allem im Großraum München Verspätungen und Zugausfälle.

ase/AFP/Reuters/dpa



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