Europäische Wirtschaftskrise Was sind Corona-Bonds?

Europas Wirtschaft ist tief in die Krise gestürzt, besonders betroffene Staaten wie Italien oder Spanien rufen nach europäischer Solidarität in Form von Corona-Bonds. Welche Idee steckt dahinter?
Bundeskanzlerin Merkel (l.), französischer Präsident Macron (r.) und andere Regierungschefs (Archivbild): Streit in Europa

Bundeskanzlerin Merkel (l.), französischer Präsident Macron (r.) und andere Regierungschefs (Archivbild): Streit in Europa

Foto: Yves Herman/ REUTERS

Bonds - was ist das?

Bonds sind Anleihen, also Schuldverschreibungen. Mit ihnen leihen sich Unternehmen, aber auch Länder in aller Welt Geld, das sie den Anlegern dann zuzüglich Zinsen zurückzahlen. Die Laufzeiten des Kredits reichen von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahrzehnten. Aus der Höhe des Zinses und der Restlaufzeit dieser Anleihen an der Börse ergibt sich die Rendite. Normalerweise leiht sich jedes Land allein Geld. Wie Normalbürger, die einen Kredit aufnehmen, zahlen auch Staaten dabei unterschiedlich hohe Zinsen - abhängig davon, wie hoch Investoren das Risiko einschätzen, ihr verliehenes Geld nicht wiederzusehen.

Nun fordern etwa Politiker in Italien und Spanien, dass die Euroländer angesichts der Coronakrise gemeinsame Anleihen auflegen. Die Regierungen würden also zur kurzfristigen Krisenbewältigung auf diesem Weg gemeinsam Geld an Finanzmärkten aufnehmen, sich also verschulden - und dann gemeinschaftlich für Zinsen und Rückzahlung haften.

Was würden Corona-Bonds bringen?

Mit gemeinsamen Anleihen aller Euroländer könnten hoch verschuldete und von der Krise besonders betroffene Staaten zu günstigeren Konditionen frisches Geld von Investoren erhalten. Das hat damit zu tun, dass auch wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland mithaften und die Rückzahlung des Geldes den Investoren sicherer erscheint. Die Zinsen, die sie fordern würden, damit sie die Anleihen kaufen, lägen deshalb wahrscheinlich deutlich niedriger, als wenn Italien oder Spanien allein Anleihen verkaufen würden. Die Zinslast für diese Länder würde also sinken.

Befürworter der Corona-Bonds betonen außerdem auch einen wichtigen, emotionalen Aspekt: Gerade in einer solchen Krise könne Europa beweisen, dass man zusammenstehe. Dieses Signal solle nach innen und nach außen wirken und könnte am Ende die gesamte Europäische Union stärken.

Gab es diese Idee schon einmal?

Schon während der Eurokrise vor zehn Jahren, von der vor allem Griechenland, aber auch Irland, Portugal, Spanien und Italien betroffen waren, kam die Forderung nach gemeinsamen Anleihen auf, sogenannten Eurobonds. Die Staaten der Eurozone sollten sich damit zusammen Geld leihen und so eine drohende Staatspleite der Krisenstaaten abwenden. Die zentrale Idee auch hier: Durch die gemeinsame Übernahme der Haftung sollten die Zinskosten für hoch verschuldete Länder sinken. Die der Stärkeren würden dagegen leicht steigen. Schon damals sprachen sich Staaten wie Deutschland gegen diese Idee aus.

Warum sind Staaten wie Deutschland oder Niederlande bislang gegen Corona-Bonds?

Aus Sicht der Bundesregierung würde so ein Konzept erst einmal eine Verschlechterung für ihre Schulden- und Zinspolitik bedeuten. Bundesanleihen sind sehr beliebt, in der aktuellen Niedrigzinsphase zahlen Anleger sogar drauf, um ihr Geld beim deutschen Staat recht sicher parken zu können.

Sehr niedrige Zinskosten waren ein Grund dafür, dass der deutsche Fiskus in den vergangenen Jahren Rekordüberschüsse vermelden konnte. Die Sorge ist hier groß, dass Corona-Bonds, je nachdem wie sie zeitlich und inhaltlich konzipiert werden, die Bedingungen für den deutschen Staat dauerhaft verändern könnten. Zudem müssten alle teilnehmenden Staaten bei Zahlungsausfällen schwächerer Staaten für den Schuldendienst mithaften.

Neben finanziellen Einbußen fürchten die Gegner von Eurobonds aber auch den demokratischen Kontrollverlust, wenn Europa seine Schulden vergemeinschaften würden. Denn bislang kontrolliert und beschließt der Bundestag die Staatsausgaben. Das würde deutlich schwerer, wenn alle Europäer sich gemeinsam verschulden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Zudem sehen Kritiker auch ein großes praktisches Hindernis: Es könnte zu lange dauern, bis Corona-Bonds tatsächlich in europäisches und nationales Recht installiert werden könnten, blickt man auf die derzeitige akute Krise mit derartig tiefen wirtschaftlichen Einschnitten. 

Gibt es Alternativen?

Genannt wird immer wieder der Euro-Rettungsschirm ESM, unter den Länder wie Griechenland in der Euro-Schuldenkrise schlüpften. Er ist von den Mitgliedstaaten in unterschiedlicher Höhe mit umfangreichen Garantien ausgestattet und kann deswegen günstigere Konditionen bei der Kreditaufnahme an die hilfsbedürftigen Staaten weitergeben.

Da der bereits im Zuge der Eurokrise eingeführt wurde, wäre diese Lösung auch kurzfristig einsetzbar. Allerdings waren die Hilfen des ESM bislang an Auflagen gebunden und werden von den betroffenen Ländern als Stigmatisierung empfunden. Hier könnten die Vorgaben aber auch gelockert werden. Viele europäische Ökonomen hatten zur Lösung zuletzt auch eine Kreditlinie des ESM für alle EU-Mitgliedstaaten vorgeschlagen. Damit würden sich die Risiken für die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität aller EU-Länder effektiv verringern lassen.

aci/dab/dpa