Washington-Connection Boeing gab Millionen für Fonds von Pentagon-Berater Perle

Der Boeing-Konzern, derzeit wegen fragwürdiger Lobby-Arbeit in Washington in der Kritik, hat auch Geschäftsverbindungen zum Pentagon-Berater Richard Perle. Der Rüstungsriese investierte 20 Millionen in Perles Beteiligungsfonds.

Washington - Das Geld floss laut "Financial Times" an Perles Firma Trireme Partners, die unter anderem Beteiligungen an Firmen der Rüstungsbranche erwirbt. Eine Boeing  -Sprecherin bestätigte dem Blatt, dass der Konzern bei Trireme investiert habe.

Perle sitzt im Defence Policy Board des US-Verteidigungsministeriums. Offiziell ist er zwar kein Angestellter des Pentagons - er berät die Politik aber auch in Fragen der Vergabe von Aufträgen an Rüstungskonzerne. So hatte Perle laut Bericht auch Einfluss auf die Entscheidung des Pentagons, Tankflugzeuge vom Typ 767 von Boeing zu leasen.

Die Boeing-Sprecherin sagte der "Financial Times", dem Konzern sei zum Zeitpunkt der Investition nicht bewusst gewesen, dass Perle an dieser Entscheidung beteiligt gewesen sei.

Für Boeing kommt der Bericht zur Unzeit. Konzernchef Phil Condit hatte erst am Montag überraschend seinen Rücktritt erklärt. In der Vorwoche war Finanzvorstand Mike Sears fristlos entlassen worden. Er hatte mit einer hochrangigen Air-Force-Angestellten über einen Wechsel zu Boeing gesprochen, während sie noch in der Position war, auf Einzelheiten des Tanker-Vertrags Einfluss zu nehmen.

Der Boeing-Deal sorgt seit Monaten für Aufregung in Washington. Die ursprüngliche Vereinbarung mit Boeing sah vor, dass alle 100 Tankflugzeuge an die US-Luftwaffe vermietet werden sollten. Der Streitkräfte-Ausschuss des US-Senats widersprach dieser Vereinbarung, da sie für den Staat wesentlich teurer kämen als eine Kauflösung.

Daraufhin würde der Vertrag geändert: Lediglich 20 der Tankflugzeuge sollten angemietet, 80 gekauft werden. Auch diesen Vertrag hat Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz erst einmal auf Eis gelegt. In einem am Dienstag in Washington bekannt gewordenen Schreiben ordnet er eine "Vollzugspause" für das Geschäft an. Zunächst müsste die Lobby-Affäre genauer untersucht werden, so Wolfowitz.