Klage über »faktisches Arbeitsverbot« WDR-Journalist arbeitet offenbar fünf Stunden im Monat – für 100.000 Euro im Jahr

Der WDR-Journalist Jürgen Döschner wurde ausgezeichnet, er gilt als Experte für Industrie- und Energiepolitik. Dennoch wird er kaum eingesetzt. Deswegen klagt er nun. Der Sender reagiert deutlich.
WDR in Köln: Klage auf »Geldentschädigung wegen Nichtbeschäftigung«

WDR in Köln: Klage auf »Geldentschädigung wegen Nichtbeschäftigung«

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Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Ein Journalist des Westdeutschen Rundfunks (WDR) verklagt den Sender auf Schadensersatz, weil er praktisch nicht mehr eingesetzt wird. Wie der Anwalt des Redakteurs Jürgen Döschner dem »Kölner Stadt-Anzeiger«  und dem Rechercheportal Correctiv mitteilte, klagt Döschner auf »Geldentschädigung wegen Nichtbeschäftigung«.

Der Streitwert liege bei 75.000 Euro, zusätzlich zum Jahresgehalt von rund 100.000 Euro, die von der Zeitung genannt werden. Döschner ist für seine investigativen Recherchen etwa über Industrie- und Energiepolitik bekannt und wurde mit Journalistenpreisen ausgezeichnet. Zwischen 1997 und 2002 war er Studioleiter des ARD-Hörfunks in Moskau.

Laut »Kölner Stadt-Anzeiger« hat Döschner mit dieser Expertise mehrere Beiträge im Ukrainekrieg angeboten, die zuständige Abteilung im WDR habe aber meist nicht auf die Vorschläge reagiert. Demnach arbeite er nur noch höchstens fünf Stunden im Monat.

Der WDR reagierte mit einer scharfen Stellungnahme . Der »Kölner Stadt-Anzeiger« und Correctiv berichteten »tendenziös und in Teilen fehlerhaft«, heißt es darin. Der WDR habe »bis zuletzt versucht, den Konflikt konstruktiv und fair zu lösen«. Mit der Klageschrift beschäftige sich der Sender, sobald sie vorliege.

Laschet und die Räumung des Hambacher Forsts

In dem Bericht wird spekuliert, dass sich Döschner zu stark gegen die Kohleindustrie positioniert habe.

Im Jahr 2019 wurde ein Beitrag von Döschner aus der Mediathek gelöscht. In einem heimlich aufgenommenen Video sagte der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet über die Räumung des Hambacher Forsts: »Ja, ich brauch auch einen Vorwand, sonst kann man doch nicht tätig werden. Ich wollte den Wald räumen, ich wollte den Wald räumen.«

Offiziell hatte die Landesregierung für den Polizeieinsatz Verstöße gegen Brandschutzvorschriften angeführt. Der Sender reagierte mit einer Stellungnahme und teilte unter anderem rechtliche Bedenken mit.

Bereits 2021, als die Vorwürfe laut wurden, berichtete der SPIEGEL darüber , dass Döschner zum Spartenkanal Cosmo versetzt wurde. Seit dem Vorfall war seine Stimme nur noch selten zu hören, Dienstreisen zu Recherchen wurden abgelehnt. Der Schlichtungsausschuss forderte den Sender auf, für ihn eine »angemessene redaktionelle Anbindung« zu finden.

Das passierte offenbar nicht. »Wir sind überzeugt, dass wir die Nichtbeschäftigung nachweisen können«, sagte Döschners Anwalt Jasper Prigge dem »Kölner Stadt-Anzeiger«. Er sprach von einem faktischen Arbeitsverbot. Der WDR wirft Döschner in seiner Stellungnahme wiederum vor, übliche Aufgaben wie Redaktionsdienste nicht wahrzunehmen und nicht regelmäßig an Konferenzen teilzunehmen.

hba
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