Wechsel bei Bertelsmann Middelhoff wird offenbar neuer Telekom-Chef

Spektakulärer Abgang: Der Vorstandschef des Medienkonzerns Bertelsmann, Middelhoff, verlässt nach Querelen überraschend das Unternehmen. Vermutlich wird er neuer Telekom-Chef.

Hamburg - Völlig überraschend wurde Thomas Middelhoff am Sonntag abgelöst. Nachdem es durch Medienberichte ausgelöste Spekulationen über die Zukunft des Vorstandschefs gegeben hatte, bestätigte Bertelsmann am Abend den Wechsel an der Führungsspitze. Zu Middelhoffs Nachfolger wurde noch am Sonntag das bisherige Vorstandsmitglied Gunter Thielen bestellt, teilte der Konzern mit. Sein Stellvertreter wird Finanzvorstand Siegfried Luther.

Grund für die Trennung seien unterschiedliche Auffassungen über die künftige Strategie der Bertelsmann AG. Angeblich habe es Differenzen mit dem Großaktionär, der Mohn-Familie, gegeben. Nach Informationen aus Branchenkreisen war vor allem der geplante Börsengang von Bertelsmann umstritten. Offiziell hieß es, es werde keine weiteren Erklärungen geben.

Nach Informationen des "Berliner Kuriers" soll Middelhoff neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom werden. Nach dem Rücktritt von Ron Sommer vor zehn Tagen ist die Telekom-Spitze kommissarisch mit dem 72-jährigen Ex-Aufsichtsratschef Helmut Sihler besetzt. Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte dazu: "An solchen Spekulationen beteiligen wir uns nicht."

Bertelsmann zählt zu den größten Medienkonzernen der Welt. Zu ihm gehören unter anderem der Fernsehsender RTL, der Verlag Gruner + Jahr sowie die Musiksparte BMG. Der 49-jährige Middelhoff ist seit 1986 bei Bertelsmann, seit 1997 auf dem Posten des Vorstandschefs. Er trieb konsequent den Ausbau des Familienunternehmens zu einem internationalen Medienriesen voran. In seine Zeit fielen die Übernahme der Mehrheit bei der RTL Group, die Übernahme des Verlags Random House sowie eine Partnerschaft mit dem weltgrößten Online-Dienst America Online (AOL). Eines seiner zentralen Projekte war der Gang an die Börse.

Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn hatte einen Börsengang lange Zeit ausgeschlossen, im vergangenen Jahr jedoch nach Überzeugungsarbeit Middelhoffs seinen Widerstand aufgegeben. Im Februar 2001 übernahm Bertelsmann in einem Tauschgeschäft die Mehrheit an der RTL Group von der belgisch-kanadischen Holding GBL. Diese erhielt im Gegenzug einen Anteil von 25,1 Prozent an Bertelsmann und das Recht, ihn in aus heutiger Sicht zwei bis drei Jahren an die Börse zu bringen.

Middelhoff-Nachfolger Thielen, 59, hatte seit vergangenem Oktober bereits mehrere Schlüsselposten bei Bertelsmann inne. Er war zusätzlich zu seinem Vorstandsmandat Vorsitzender des Kuratoriums und des Präsidiums der Bertelsmann-Stiftung, sowie Vorsitzender der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG), die in der Hauptversammlung 75 Prozent der Stimmrechte ausübt. Auf diesen Posten war er Mohn gefolgt.

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