Wegen Rentenausgaben Ifo-Institut warnt vor Kollaps des Bundeshaushalts

Wirtschaftsforscher drängen die Bundesregierung, das Rentenalter zu erhöhen. Ohne Korrekturen seien massive Finanzierungsprobleme und drastisch steigende Steuern unvermeidbar.
Rentner ruhen sich in Berlin auf einer Bank aus

Rentner ruhen sich in Berlin auf einer Bank aus

Foto: Stephan Scheuer / dpa

Angela Merkel hält nichts von einer Erhöhung des Rentenalters auf 68 Jahre, Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat es auch ausgeschlossen, und Finanzminister Olaf Scholz hat sich lustig gemacht, Deutschlands führende Rentenexperten könnten wohl nicht richtig rechnen. Doch was müsste passieren, wenn die Politik – wie versprochen – wirklich nicht am Renteneintrittsalter rüttelt?

Ohne Korrekturen müssten 2050 fast 40 Prozent des Bundeshaushalts in die Rentenkassen fließen, hat das Ifo-Institut ausgerechnet. »Geradezu dramatisch würde es sich auswirken, wenn die neue Regierung verspricht, den Beitragssatz auch über 2025 hinaus unter 20 Prozent zu halten und das Standardrentenniveau nicht unter 48 Prozent des durchschnittlichen Arbeitseinkommens sinken zu lassen«, warnten die Wirtschaftsforscher am Mittwoch in München: »60 Prozent des Bundeshaushalts müssten bei einem solchen Versprechen für die Rente ausgegeben werden.«

Würden die bereits jetzt absehbaren Zusatzkosten der Rentenversicherung nur über die Mehrwertsteuer finanziert, müsste der Steuersatz bis 2030 auf 23 Prozent und bis 2050 auf 27 Prozent stiegen, sagte Marcel Thum, Leiter der Ifo-Niederlassung in Dresden. Der demografische Wandel sei für drei Viertel dieser Zusatzkosten verantwortlich. Ein Viertel der Zusatzkosten gehe auf die Rentenreformen von 2014 bis 2020 zurück.

Die Große Koalition hatte eine doppelte Haltelinie bei Rentenniveau und Rentenbeitrag eingeführt und obendrein noch den sogenannten Nachholfaktor ausgesetzt. Das führt dazu, dass die Renten sogar stärker steigen als die Löhne der Beschäftigten. »Dies ließe sich jetzt noch rückgängig machen«, sagte Ifo-Ökonom Joachim Ragnitz. »Dazu müsste aber direkt nach der Wahl entsprechend gehandelt werden.« Die Aussetzung trage 2030 zu einem Drittel und 2050 fast zur Hälfte des reformbedingten Anstiegs der Rentenkosten bei.

Vor zwei Wochen hat bereits der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium vor »schockartig steigenden Finanzierungsproblemen in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025« gewarnt und eine dynamische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung vorgeschlagen.

beb/dpa
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