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07. Juli 2006, 19:22 Uhr

Welt AG, zweiter Versuch

GM verhandelt mit Renault und Nissan

Nun also doch: Das Management des Autoriesen General Motors beugt sich dem Druck seines Großaktionärs Kirk Kerkorian - und prüft eine Allianz mit Renault und Nissan. Für Mitarbeiter bei der GM-Tochter Opel könnte das eine Nachricht mit Sprengkraft sein.

Detroit - Wenn die Sondierungen zu Ergebnissen führen - dann steht der kriselnde Autokonzern aus Detroit vor der wohl schwerwiegendsten Entscheidung in seiner Geschichte. Der Verwaltungsrat von GM hat heute informellen Verhandlungen über eine mögliche Allianz zugestimmt. Das Gremium autorisierte das GM-Management, den Vorschlag zu prüfen und "die möglichen Vorteile einer solchen Allianz abzuwägen". GM-Chef Rick Wagoner soll die Gespräche leiten.

Die GM-Aktie stieg nach der Ankündigung um 65 US-Cent oder 2,2 Prozent auf 29,85 Dollar.

Nissan-Wagen vor Chevrolet-Händler in den USA: Kommt die neue, trikontinentale Auto-Allianz?
AFP

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Der Verwaltungsrat reagiert auf eine Forderung des Großaktionärs und US-Milliardärs Kirk Kerkorian, der GM zu einer Partnerschaft mit den Autoherstellern aus Frankreich und Japan drängt. Kerkorian verspricht sich davon Wertsteigerungen für seine GM-Aktien.

Wagoner betonte zwar: "Wir werden offen in die Diskussionen mit den Führungen von Renault und Nissan gehen." Amerikanischen Presseberichten zufolge steht das GM-Management einer möglichen Allianz mit aber skeptisch gegenüber. Angesichts der Komplexität jeder möglicher Verbindung müssten alle Vorschläge jedoch sorgfältig geprüft werden, hieß es heute.

Opel-Betriebsrat: Das kann Schlimmes bedeuten

Unterdessen warnte der oberste Arbeitnehmervertreter von General Motors in Europa, Klaus Franz, vor einer feindlichen Übernahme des Konzerns durch Renault und Nissan. "In dieser globalisierten Welt ist alles möglich, sogar eine feindliche Übernahme", sagte Franz, der auch Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Opel ist, der " Allgemeinen Zeitung" in Mainz. Eine Übernahme hätte dramatische Auswirkungen auf die deutsche GM-Tochter Opel, er sehe existenzielle Gefahren.

Franz betonte, GM und Renault seien "knallharte Konkurrenten" und hätten auch in der Entwicklung große Kapazitäten in Europa konzentriert. Der Opel-Gesamtbetriebsratschef warnte auch vor dem Einfluss der französischen Regierung auf Renault, die an dem Autobauer 15 Prozent hält. Renault habe eines seiner modernsten Werke in Belgien geschlossen, aber weniger profitable Standorte in Frankreich nicht angetastet.

GM leidet in Nordamerika unter einem schleichenden Verlust von Marktanteilen, hohen Gesundheitskosten für die Mitarbeiter sowie Pensionslasten. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen Rekordverlust von mehr als 10 Milliarden Dollar eingefahren. Kerkorian hatte in der Vergangenheit mehrfach die aus seiner Sicht zu schleppende Sanierung des Konzerns kritisiert.

Renault und Nissan hatten sich Anfang der Woche für Gespräche über einen Verbund mit GM ausgesprochen unter der Bedingung, dass der angeschlagene Autokonzern einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Bei einem Erfolg würde der mit Abstand größte Verbund mit einem Marktanteil von knapp 25 Prozent entstehen.

itz/AP/Dow Jones

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