Weltbank-Affäre
Ausschuss bestätigt Vorwürfe gegen Wolfowitz
Für Weltbankpräsident Wolfowitz wird es eng. Ein Untersuchungsausschuss der Organisation hat den Vorwurf der Vetternwirtschaft gegen ihn bestätigt. Die Entscheidung über seine Zukunft könnte in dieser Woche fallen.
Washington - Paul Wolfowitz hat dem Ausschuss zufolge gegen Personalregeln verstoßen. Dies sagten Personen aus dem Umfeld des Weltbank-Exekutivdirektoriums. Wolfowitz hatte für seine Freundin eine deutliche Gehaltserhöhung durchgesetzt. Dadurch habe er sich in einen Interessenkonflikt begeben, heißt es. Die Ausschussmitglieder hätten aber keine Sanktionen für den Weltbank-Chef empfohlen.
Das Direktorium, in dem 24 an der Bank beteiligte Länder vertreten sind, wird möglicherweise am Freitag über den Fall beraten. Es werde darum gehen, ob Wolfowitz gezwungen wird, die Organisation zu verlassen, oder ob er die Möglichkeit erhält, über seinen Abgang zu verhandeln, hieß es. Insidern zufolge ist es so gut wie unmöglich, dass Wolfowitz bis zum Ende seiner Amtszeit bleibt.
Hinter den Kulissen läuft derweil die Suche nach einem Nachfolger. Führende Regierungen Europas haben laut einem Bericht der "New York Times" signalisiert, dass sie bereit seien, den Weltbankchef erneut von den USA auswählen zu lassen - wenn dafür Wolfowitz so bald wie möglich zurücktritt. Bisher hatten die Europäer erkennen lassen, dass sie die Tradition der amerikanischen Weltbankpräsidenten gerne beenden würden. Nun aber hoffen sie mit ihrem Angebot, dass die USA Wolfowitz zu einem schnellen Abgang drängen.
Entscheidend wird aber die Haltung Washingtons sein. Die US-Regierung hatte Wolfowitz nominiert und ist zudem der größte und einflussreichste Anteilseigner der Weltbank. Die Führung in Washington hat dem Bankchef wiederholt ihre Unterstützung ausgesprochen. Er selbst hat einen Rücktritt abgelehnt und von einer Schmutzkampagne gegen ihn gesprochen.