Weltbank Direktorium hofft auf freiwilligen Rücktritt von Wolfowitz

Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz will sein Amt nicht freiwillig aufgeben. In einer Anhörung vor dem Direktorium verteidigte er noch einmal offensiv seine Position. Doch die Anzeichen mehren sich, dass selbst die Unterstützung aus dem Weißen Haus bröckelt.


Washington - Zwar betonte Präsidenten-Sprecher Tony Snow noch einmal Wolfowitz habe zwar Fehler gemacht, aber diese seien aus Sicht der US-Regierung kein Kündigungsgrund. Und US-Außenministerin Condoleezza Rice bezeichnete den 63-Jährigen als ausgezeichneten Beamten, dessen Entlassung man wegen solcher Gründe nicht sehen wolle. Doch was die Führung der Weltbank angehe, will man inzwischen keine Option mehr ausschließen.

Weltbank-Präsident Wolfowitz: Weißes Haus hält sich alle Optionen offen
AP

Weltbank-Präsident Wolfowitz: Weißes Haus hält sich alle Optionen offen

Gestern Abend hatte Wolfowitz noch einmal vor dem Direktorium um seinen Verbleib im Amt gebeten. Oft seien Menschen mit seiner Politik oder seinen Positionen nicht einverstanden gewesen, aber seine Ehrlichkeit oder Integrität seien nie in Frage gestellt worden, sagte Wolfowitz laut einer von seinem Anwalt freigegebenen Mitschrift in Washington. Seine damaligen Entscheidungen seien im besten Interesse der Bank erfolgt. Die Entscheidung des Gremiums werde nicht nur sein Leben verändern, sondern auch die Perspektive, aus der die Bank in den USA und der übrigen Welt gesehen werde. Noch gebe es die Möglichkeit, einen dauerhaften Schaden abzuwenden, ergänzte der frühere US-Vize-Verteidigungsminister.

Das Direktorium der Bank teilte nach der Anhörung mit, es werde seine Beratungen am heutigen Mittwoch fortsetzen. Ein vom Direktorium eingesetzter Untersuchungsausschuss war in seinem Bericht zu dem Ergebnis gekommen, dass Wolfowitz mit einer Gehaltserhöhung für seine Lebensgefährtin gegen die Regeln der Institution verstoßen habe.

US-Medien hatten berichtet, dass der Rat ein Misstrauensvotum gegen den Präsidenten verabschieden wolle und darauf hoffe, dass Wolfowitz danach freiwillig zurücktreten werde. Vor allem Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada dringen auf einen Rücktritt von Wolfowitz. Bei einer Telefonkonferenz der G-7-Staaten stellte sich gestern Abend nur Japan auf die Seite der USA.

Dem 63-Jährigen wird Günstlingswirtschaft vorgeworfen, weil er seiner bei der Weltbank beschäftigten Lebensgefährtin Shaha Riza bei seinem Amtsantritt 2005 eine Gehaltserhöhung von 60.000 Dollar (rund 44.000 Euro) im Jahr sowie einen Beförderungsanspruch bewilligt hatte. Gemäß den Regeln der Weltbank musste Riza einen anderen Posten in der US-Verwaltung übernehmen; sie wurde ins US-Außenministerium versetzt, aber weiterhin von der Weltbank bezahlt. Die Entscheidung zur Gehaltserhöhung soll Wolfowitz allein getroffen haben; er selbst gibt jedoch an, dies auf Anweisung von Mitarbeitern der Weltbank getan zu haben.

mik/AFP/AP/Reuters/dpa



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