Weltbank in der Krise Countdown für Wolfowitz-Rücktritt läuft

Der Rücktritt von Weltbank-Präsident Wolfowitz steht nach einem Bericht des US-Senders ABC unmittelbar bevor. In den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen gehe es jetzt nur noch darum, dass alle Seiten ihr Gesicht wahren können.


Washington - In der Weltbank-Affäre ist der Rücktritt von Bank-Chef Paul Wolfowitz näher gerückt. Das Direktorium der Weltbank stehe kurz vor Abschluss einer Vereinbarung, die Wolfowitz einen Rücktritt in Würde ermöglichen solle, berichtete der amerikanische TV-Sender ABC heute unter Berufung auf Bankkreise. Der konservative Vordenker und langjährige Wegbegleiter von US-Präsident Bush solle bei einem Rückzug "sein Gesicht wahren" können, zitierte der Sender Mitarbeiter der Weltbank. Ein Rücktritt könnte bereits in den kommenden Stunden erfolgen. Er wäre auch eine peinliche Niederlage für das Weiße Haus, das sich bis zuletzt für Wolfowitz eingesetzt hatte.

Weltbank-Präsident Wolfowitz: Auf dem Weg zu Gesprächen über seine Zukunft
AP

Weltbank-Präsident Wolfowitz: Auf dem Weg zu Gesprächen über seine Zukunft

Das 24-köpfige Direktorium hatte am Mittag (Ortszeit) seine Beratungen unterbrochen und sich auf den Nachmittag - hiesige Zeit: 20.30 Uhr - vertagt.

Dem Weltbankpräsidenten wird vorgehalten, für seine Freundin Shaha Riza ein völlig überhöhtes Gehalt ausgehandelt zu haben. Die Bankangestellte wechselte nach dem Amtsantritt von Wolfowitz ins US-Außenministerium, wird aber weiterhin von der Weltbank bezahlt.

Ihr Jahresgehalt stieg von knapp 133.000 Dollar auf zunächst 180.000 Dollar und inzwischen 193.590 Dollar. Wolfowitz nannte die Vorwürfe "in hohem Grade unfair" und hat wiederholt betont, er habe in gutem Glauben gehandelt. Er habe sich an die Empfehlungen des Ethikausschusses der Bank gehalten und diese befolgt, so gut er konnte.

Ein Prüfungsausschuss der Weltbank kam am Montag zu dem Schluss, Wolfowitz habe eindeutig gegen Richtlinien verstoßen. Der Vorstand müsse entscheiden, ob der Präsident noch die notwendige Führungsrolle bei der Bekämpfung der Armut in der Welt einnehmen könne.

Die US-Regierung bezeichnete die Kontroverse um Wolfowitz heute als eine üble Episode für die internationale Finanzorganisation. Obwohl sich das Weiße Haus erneut hinter Wolfowitz stellte, erklärte Sprecher Tony Snow, es müsse ein Weg gefunden werden, um die Integrität der Weltbank zu wahren. Deshalb müsse über alles geredet werden.

Bereits gestern hatte Snow erklärt, was die Führung der Weltbank angehe, so lägen "alle Optionen auf dem Tisch". Es war das erste Mal, dass die Vereinigten Staaten eine Zustimmung zu einem möglichen Rückzug des Weltbankpräsidenten andeuteten. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada plädierten für einen Rücktritt von Wolfowitz. Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erklärte heute sogar, Wolfowitz solle nicht am Weltbankforum kommende Woche in Berlin teilnehmen. Bei einer Telefonkonferenz der G-7-Staaten stellte sich nur Japan auf die Seite der USA.

kaz/AFP/AP/Reuters



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