Weltbank und IWF Briten fordern Schuldenerlass, Eichel winkt ab

Großbritanniens Schatzkanzler Gordon Brown fordert einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder. Finanzminister Hans Eichel schloss jedoch eine solche Maßnahme für Deutschland kategorisch aus. Die Haushaltslage lasse dies nicht zu.


Gordon Brown: "Wir müssen mehr tun"
REUTERS

Gordon Brown: "Wir müssen mehr tun"

Washington - Der Schuldenerlass und die Sorge um den hohen Ölpreis dominierten am Wochenende die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Im Grundsatz sprachen sich alle Industriestaaten für eine Entschuldung der Entwicklungsländer aus, über Umfang und Verfahren gingen die Meinungen aber weit auseinander.

Der britische Schatzkanzler Gordon Brown schlug gestern vor, zur Finanzierung eines Schuldenerlasses sollten die IWF-Goldreserven marktgerecht bewertet werden, auch sollten die Industrieländer höhere Beiträge zahlen. "Da viele Länder gezwungen sind, zwischen dem Schuldendienst und Investitionen in Gesundheit, Bildung und Infrastruktur zu wählen, müssen wir mehr tun", sagte Brown im IWF-Finanz- und Währungsausschuss. "2005 ist ein Jahr der Herausforderung und der Chance: die reichsten Länder müssen ihr Versprechen an die ärmsten Länder einlösen." London selbst übernehme für die nächsten Jahre zehn Prozent des Schuldendienstes der Ärmsten: "Wir drängen alle Regierungen, es uns gleichzutun." Großbritannien bezifferte die Kosten auf 180 Millionen Dollar im Jahr. In der Größenordnung läge auch der Beitrag Berlins.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hält - anders als seine für Entwicklungshilfe zuständige Kabinettskollegin Heidemarie Wieczorek-Zeul - jedoch wenig von den neuen Vorstößen. "Andere Vorschläge, zum Beispiel, dass die multilateralen Institutionen ihre Schulden erlassen sollten, teile ich nicht", sagte Eichel, der dabei auf den geringen finanziellen Spielraum Deutschlands verwies. "Zusätzliche Haushaltsmittel sind bei der gegenwärtigen Lage von Deutschland nicht zu erwarten."

Brown verteidigte dagegen die Initiative seines Landes und sagte: "Wir haben keine Zweifel, dass dies möglich ist." Bei den sieben führenden Industrienationen stieß die Idee einer Neubewertung der IWF-Goldreserven G-7-Kreisen zufolge jedoch von vornherein mehrheitlich auf Widerstand. "Was bedeutet das für die finanzielle Glaubwürdigkeit des Fonds? Wollen wir einen Teil des IWF-Vermögens jetzt auf diese Weise verwenden und das war's dann und wir können es nie mehr nutzen?", hieß es in den Kreisen.

Der IWF hält 103 Millionen Unzen Gold, die G-7-Kreisen zufolge nach einem Abkommen von 1971 mit rund 40 Dollar pro Unze verbucht und damit mit einem Zehntel des gegenwärtigen Preises bewertet sind. In New York wurde die Unze Gold vorgestern mit 418,85 Dollar gehandelt.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.