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17. April 2008, 17:01 Uhr

Welthandel

Entwicklungsländer wachsen schneller als Industriestaaten

Finanzkrise, hohe Öl- und Lebensmittelpreise: Die Turbulenzen an den Märkten werden laut WTO den Welthandel in diesem Jahr stark schwächen. Vor allem die Industriestaaten träfe der Abschwung - allein die Entwicklungsländer würden ihre Geschäfte weiter stark ausbauen können.

Genf - Hohe Inflation und hohe Preise: Früher oder später wird wohl auch der Druck auf die Entwicklungs- und Schwellenländer zu groß. Doch noch sieht es gut aus für sie: Laut der Welthandelsorganisation (WTO) trugen sie 2007 rund 40 Prozent zum Weltwachstum bei, ihr Anteil an Ex- und Importen erreichte mit 34 Prozent eine Rekordmarke. Auch für dieses Jahr prognostizieren ihnen die Experten rosige Zeiten und ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent - die meisten Industriestaaten kommen nur auf 1,1.

Hafen von Singapur: "Unsichere und sorgenvolle Zeiten"
DPA

Hafen von Singapur: "Unsichere und sorgenvolle Zeiten"

Insgesamt fallen die Aussichten der WTO für den weltweiten Handel aber äußerst trüb aus: Die internationale Finanzkrise, steigende Lebensmittel- und Ölpreise würden sich 2008 zunehmend auswirken. Lag das Handelswachstum vor zwei Jahren noch bei 8,8 Prozent, verzeichneten die Statistiker für 2007 nur noch 5,5 Prozent. In diesem Jahr dürfte es bei lediglich 4,5 Prozent liegen - vielleicht auch noch weniger.

"Dies sind unsichere und sorgenvolle Zeiten für die Weltwirtschaft", sagte WTO-Generaldirektor Pascal Lamy. "Wir müssen unser weltweites Handelssystem mehr als zuvor durch transparente, vorhersehbare und gleichwertige Regeln verstärken" - gerade auch im Hinblick auf die laufenden Verhandlungen der sogenannten Doha-Liberalisierungsrunde.

Vor allem in den Industriestaaten ist laut der WTO die Nachfrage 2007 extrem zurückgegangen, Nordamerika habe die schwächste Produktionsrate gezeigt. Für das laufende Jahr fürchten die WTO-Ökonomen vor allem die Auswirkungen einer Rezession in den USA, eine schwächere Nachfrage in Europa und Japan sowie steigende Inflation und gedrückte Stimmung an den Aktienmärkten.

sil/dpa/Reuters

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