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10. April 2007, 16:34 Uhr

Weltkonjunktur

IWF warnt vor erhöhten Risiken an den Finanzmärkten

Noch brummt die weltweite Konjunktur, aber die Risiken nehmen zu. Zu dieser Einschätzung kommt der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem aktuellen Bericht. Vor allem an den Finanz- und Kapitalmärkten sei die Lage nicht mehr ganz so rosig.

Washington - Trotz günstiger Aussichten für die Weltkonjunktur warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor gestiegenen Risiken an den Finanz- und Kapitalmärkten. So habe sich die Lage für riskante Hypothekenkredite am US-Markt stärker als erwartet verschlechtert, heißt es in einem heute in Washington veröffentlichten IWF-Bericht zur Stabilität der Finanzmärkte.

Aktienkurse in Tokio: "Zu geringe Beachtung von Abwärtsrisiken"
AFP

Aktienkurse in Tokio: "Zu geringe Beachtung von Abwärtsrisiken"

Zu einzelnen Ländern gab der Fonds keine Stellungnahme ab. Allerdings war zuvor bereits die Wachstumsprognose des IWF für Deutschland durchgesickert. Demnach soll das Bruttoinlandsprodukt der größten europäischen Volkswirtschaft in diesem Jahr um 1,8 Prozent steigen. Im Vergleich zu den Prognosen deutscher Forschungsinstitute ist das eine eher bescheidene Einschätzung. Sie erwarten zum Teil ein Wachstum von bis zu 2,8 Prozent. Auch die Bundesregierung ist optimistischer als der IWF. Sie rechnet nach SPIEGEL-Informationen mit einem Plus von "über zwei Prozent".

Der IWF hingegen zeigt sich zunehmend skeptisch. So schreiben die IWF-Experten in ihrem heute vorgestellten Finanzmarktbericht von einer "zu geringen Beachtung von Abwärtsrisiken" durch Investoren und große Kapitalzuflüsse in Schwellenländer. Für sich genommen seien diese Gefahren zwar keine Bedrohung für die Finanzmarktstabilität, befinden die Experten. Verschlechtere sich die Situation jedoch in einem der Bereiche, könne dies zu einer Neubewertung der anderen Risiken führen.

Der IWF warnt Investoren vor Sorglosigkeit, da sie von weiterhin niedrigen Risikoprämien und geringer Schwankungsbreite der Märkte ausgingen. Gefahren bestünden vor allem in der hohen Liquidität, einer niedrigen Eigenkapitaldecke und einem hohen Risiko-Appetit.

Zwar spiegelten die hohen Kapitalzuflüsse auch die verbesserten wirtschaftlichen Grundlagen in manchen Schwellenländern wider. Ursache des Finanzstroms sei jedoch auch die Suche nach hohen Renditen vor dem Hintergrund niedriger Zinsen in entwickelten Märkten. Dies könne zu Problemen in Schwellenländern mit hohem Leistungsbilanzdefizit führen, sollte sich der Kapitalstrom umkehren.

Derweil sieht der Fonds weniger Gefahren für das weltweite Wachstum durch eine ungeordnete Anpassung der globalen Ungleichgewichte. Allerdings bestehe weiterhin die Sorge, dass Kapitalzuflüsse in die USA durch eine Verringerung der Zinsunterschiede deutlich zurückgehen könnten. Bislang tragen Ausländer mit dem Kauf von US-Staatsanleihen dazu bei, das amerikanische Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren.

IWF und Weltbank kommen an diesem Wochenende zu ihrer traditionellen Frühjahrstagung zusammen.

wal/dpa

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