Weltkrise privat Ogottogott, Griechenland!

Die Hellenen sind ein sympathisches Volk: sonnig, kreativ und total überschuldet. Der nun nahende Staatsbankrott war allerdings lange abzusehen - denn die Buchführung ist genauso unübersichtlich wie Altgriechisch und die 3054 Inseln des Landes.
Protestierende Studenten in Athen: Korruption, Schattenwirtschaft und kreative Buchführung

Protestierende Studenten in Athen: Korruption, Schattenwirtschaft und kreative Buchführung

Foto: SIMELA PANTZARTZI/ dpa

Griechenland

Hamburg - Nach allem, was man darüber lesen und hören kann, geht es finanziell nicht gut. Das Staatsdefizit liegt gegenwärtig bei über zwölf Prozent, vielleicht ist es aber auch noch größer. Niemand weiß es so genau. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sagt: "Wir sind nicht Island." Das ist völlig korrekt. Sein Land besitzt keinerlei Geysire. Und es gibt nur sehr wenige Hellenen, die Guðmundursdóttir heißen.

Aber wer schon einmal auf dem Peloponnes Urlaub gemacht hat, weiß, dass die dramatische Haushaltslage nicht überraschend kommt: Überall stehen kaputte Gebäude herum. Das meiste von dem ganz alten Krempel war nicht einmal in seiner bewohnten Zeiten an die Kanalisation angeschlossen und verfügt über keinerlei Außenisolierung nach EU-Norm. Zerbröselnde Statuen und Säulen wurden achtlos liegengelassen. So verrottet es nun zum Teil schon seit mehreren tausend Jahren. Altgriechisch ist überdies eine komplett tote Sprache und dient heute nur noch dazu, den Nachwuchs des deutschen Bildungsbürgertums zu erschrecken. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen. Vor einem drohenden Bankrott zu warnen, hieße deshalb Eulen nach Athen tragen.

Pomaken, Sarakatschanen, orthodoxe Arvaniten

Staatspleiten seien hiermit übrigens als der Megatrend 2010 prognostiziert, aber wir schweifen ab. Griechenland gilt schon jetzt als völlig zersplittert. Zu den Griechen gehören zum Beispiel auch Aromunen, die aber von den Griechen selbst auch gern Wlachen genannt werden, sowie Pomaken und Sarakatschanen, ganz zu schweigen von den orthodoxen Arvaniten. Man kann als Außenstehender nur schwer beurteilen, wie zum Beispiel die Aromunen mit den Pomaken klarkommen. Und wo wird eigentlich westrumelisch gesprochen?

Es ist genauso unübersichtlich wie die griechische Staatsbilanz. Der Wahlspruch der Griechen heißt: Freiheit oder Tod. Es gibt Brüsseler EU-Finanzfachleute, die sagen: "Ja, puh, okay, dann eben keine Freiheit." Dabei hat dieses stolze Seefahrervolk einst so viel erfunden: Olympia, Demokratie, Gyros, Delphinarien. Was bleibt? Ein Kater nach zu viel Ouzo und Mundgeruch nach dem unvermeidlichen Tsatsiki.

Insolvenz

Korruption

Griechenland könnte bald das gleiche Schicksal drohen wie Karstadt, Märklin oder Tiger Woods: eine mehr oder weniger geordnete . Das wäre nicht weiter schlimm, weil in diesen Fällen ja zunächst alles weitergeht wie davor. Im Fall Griechenland hieße das: , Schattenwirtschaft, Buschbrände und kreative Buchführung.

Lizenzgebühren für Vicky Leandros und Philosophie

Anschließend könnte man damit anfangen, das Land zu zerschlagen, was nicht weiter schwer ist, weil Griechenland bereits jetzt aus 3054 Inseln besteht. Der gesamte Strand wird dann an amerikanische Kreuzfahrtkonzerne verkauft, das Landesinnere endlich aufgeräumt (siehe oben). Der riesige Schuldenberg könnte für den Tourismus erschlossen werden. Für original griechische Produkte wie Feta, Vicky Leandros und Philosophie werden fortan hohe Lizenzgebühren fällig. Auch Firmen wie Nike oder Olympus müssen zahlen. Außerdem könnte die Regierung ganz viel Geld drucken und 2011 behaupten, dass das Defizit schon auf sieben Prozent gesunken ist.

Axel Weber

Otto Rehhagel

Bundesbank-Präsident hat erklärt, das Land müsse seine Probleme selbst lösen: "Der Ball liegt jetzt im Feld der griechischen Regierung." (Spitzname: Rehakles), Trainer der griechischen Fußball-Nationalmannschaft, will sich aber bislang auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft konzentrieren.