Weltkrise privat Wo nicht nur Björk ihr Geld vergraben hat

Die insolvente Kaupthing-Bank fängt angeblich noch diese Woche an, deutschen Kleinsparern ihre Einlagen zurückzuzahlen. Wie geht's eigentlich dem beinah-bankrotten Island, fragt sich SPIEGEL-ONLINE-Krisen-Kolumnist Thomas Tuma.

Über 30.000 deutsche Kleinsparer sollen ab dieser Woche von der insolventen isländischen Kaupthing-Bank ihre Einlagen zurückbekommen. Noch ist nicht bekannt, ob die Auszahlung vor Ort stattfindet und in welcher Währung: Euro, isländische Kronen, gepökeltes Schafsfleisch?

Heidi Klum, Geysire und Kaupthing-Kunden: "Hm, Ungarn, bei dir seh'n wir echt keine Entwicklung mehr"

Heidi Klum, Geysire und Kaupthing-Kunden: "Hm, Ungarn, bei dir seh'n wir echt keine Entwicklung mehr"

Foto: AP; DDP; AFP

Vielleicht wird auch gar nichts aus der Rückzahlung, aber die Gerüchte bieten immerhin Gelegenheit, sich des sympathischen nordischen Beinahe-Bankrotteurs zu erinnern: Ach Island, einst die streberhafte zweite Geige im Orchester der Staatengemeinschaft. Und dann, zack: der Hütchenspieler der Hochfinanz.

Island ist das Land der Geysire und… der Geysire

Eigentlich ist Island ja das Land der Geysire und… der Geysire. Mit weniger Einwohnern, als man Sonderzeichen auf der Tastatur braucht, um all die niedlichen Namen richtig zu schreiben: Sûgritssdøttir, Smõlandsgríttir oder so ähnlich. Herbe Heimat der Popsängerin Björk. Und hatten wir die Geysire schon erwähnt?

Die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb jüngst: "Nach dem Kollaps des Bankensektors und dem Staatsbankrott steht Island vor einem mächtigen Aufgabenberg." Der ist größer als der bisher höchste Gipfel der Insel, der 2119 Meter hohe Hvannadalshnúkur. Zurzeit ist alles auf Rekordniveau: Inflation, Leitzins, Hysterie der Inselbewohner. Die Arbeitslosenquote stieg selbst unter den Polarfüchsen auf fast 100 Prozent. Manche müssen sich bereits als Nerze auf dem norwegischen Festland verdingen.

Dennoch schreitet die Resozialisierung des Landes voran. Wenn es so weiter geht, braucht Berlin wegen der Kaupthing-Außenstände Reykjavik nicht mehr den Krieg zu erklären. Das Land muss jetzt einfach ganz viel Geld in allen gängigen Währungen drucken, auch wenn der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman Island zum ökonomischen Sorgenkind No. 1 erklärt hat. Krugman ist der Geysir unter den Ökonomen: Hitzig sprudelt es im Rhythmus seiner "New York Times"-Kolumne aus ihm heraus. Krugman hält auch Österreich für Pleite-bedroht und Irland. Anderen Staaten geht es aber ähnlich schlecht.

Die "FAZ" bescheinigte zum Beispiel Ungarn: "Ein Staat verschwindet." Man weiß noch nicht, was das für Gulaschsuppe und Marika-Rökk-Fans bedeutet. Dagegen schrieb die "Financial Times Deutschland": "Mexiko geht baden". Von einem "Dreifachschock" war die Rede aus Finanzkrise, Schweinegrippe und Drogenkrieg. Das kann ja nicht gutgehen, wenn Millionen von Mexikanern verarmt, malad und vollgepumpt mit schlechtem Stoff an den Strand wanken und dort noch Sonnenbrand kriegen.

Da ist Island erfolgsorientierter. Wenn die globale Finanzindustrie ein Schönheitswettbewerb wäre und Heidi Klum diese "Challenge" entscheiden müsste, würde sie quietschen: "Hm, Ungarn, bei dir seh'n wir echt keine Entwicklung mehr. Dein Außenhandelsdefizit ist voll unterirdisch und dein Essen auch viel zu fett." Oder: "Tja, Mexiko, schau mal innen Spiegel. Für dich hab' ich heut' leider kein Foto."

Nur bei Island würde sie Freude heucheln; "Aber 'n bisschen auf deine Geysire achten beim nächsten Shoot!" Im Finale von "Germany's Next Topmodel" kam übrigens die Popsängerin Emilíana Torrini ("Jungle Drum") groß raus. Ihr italienisch anmutender Name täuscht. Am "í" erkennt man ihre isländischen Wurzeln. Das kann kein Zufall sein. Jetzt ist sie in den Charts ganz oben. In der globalisierten Wirtschaft hängt alles mit allem zusammen.

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