Weltwirtschaftsforum in Davos George Soros fordert Gasboykott gegen Russland

Der umstrittene Hedgefonds-Gründer und Multimilliardär plädiert in Davos auf SPIEGEL-Anfrage für ein europäisches Gasembargo. Von dem von der EU geplanten Ölboykott hält Soros dagegen nichts.
Aus Davos berichten Michael Brächer und Claus Hecking
Gewohnt kämpferisch: George Soros an diesem Dienstag in Davos

Gewohnt kämpferisch: George Soros an diesem Dienstag in Davos

Foto: FABRICE COFFRINI / AFP

Der umstrittene Multimilliardär und Hedgefonds-Gründer George Soros hat sich für ein Gasembargo gegen Russland ausgesprochen.

Europa sei beim Thema Gas in einer stärkeren Position, als allgemein gedacht werde, sagte Soros auf eine Frage des SPIEGEL am Rande des Weltwirtschaftsforums. Russland könne diesen Rohstoff wegen fehlender Pipelines nicht einfach an andere Länder wie China verkaufen; zudem seien die russischen Reservoirs bereits gut gefüllt.

Daher habe Kremlchef Wladmir Putin keine echte Alternative zum Gasverkauf nach Europa, sagte Soros. Sollte er dahin nicht mehr liefern dürfen, müsse er wohl bald die Ausbeutung einiger Erdgasfelder stillegen.

Soros erzählte, dass er am Dienstag einen Brief an Italiens Premier Mario Draghi geschickt habe, in dem er für das Gasembargo plädiert. »Wenn er [Draghi, d. Red.] die Idee unterstützt, wird Europa sie unterstützen«, sagte Soros.

Skeptisch äußerte sich der 91-Jährige gebürtige Ungar über den von der EU geplanten Boykott russischer Erdöllieferungen. Anders als Gas lasse sich Öl vergleichsweise leicht im großen Stil verschiffen, sagte Soros. Entsprechend einfacher wäre es für Putin, diesen Rohstoff an andere Abnehmer zu verkaufen, allen voran nach China.