Weltwirtschaftskrise Japans Export stürzt dramatisch ab

Die japanischen Ausfuhren sind im Februar regelrecht eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel der Export um fast 50 Prozent, so stark wie noch nie. Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt stürzt damit in eine tiefe Krise - während sich Konkurrent China schon wieder im Aufschwung sieht.


Tokio - USA, Japan, Deutschland: Das ist die Rangfolge der größten Wirtschaftsnationen der Welt. Die Nummer zwei ist nun von der globalen Krise voll erfasst worden. Härter noch als die Vereinigten Staaten, wo die Finanzverwerfungen ihren Anfang nahmen. Und härter als Deutschland, der Exportweltmeister.

Börsentafel in Tokio: Der Aktienmarkt reagiert gelassen - Experten hatten mit noch schlimmeren Zahlen gerechnet
AFP

Börsentafel in Tokio: Der Aktienmarkt reagiert gelassen - Experten hatten mit noch schlimmeren Zahlen gerechnet

In Japan sind die Ausfuhren im Februar um fast 50 Prozent eingebrochen, so stark wie noch nie. Wie das Finanzministerium in Tokio auf Grundlage vorläufiger Zahlen bekanntgab, fielen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 49,4 Prozent auf 3,5 Billionen Yen (26,3 Milliarden Euro). Es ist der fünfte Monat in Folge mit einem Rückgang. Und es ist der schärfste Einbruch seit Erfassung der Daten im Januar 1980. Zum Vergleich: Die deutschen Exporteure rechnen in diesem Jahr mit einem Minus von höchstens 15 Prozent.

In Japan gingen vor allem die Ausfuhren von Autos, Fahrzeugteilen und Halbleitern drastisch zurück. Nach Einschätzung von Ökonomen machen die Handelsdaten einmal mehr deutlich, wie stark sich die Krise auf das wesentlich von seinem Export abhängige Japan auswirkt. Hinzu kommt die schwache binnenwirtschaftliche Lage des Landes. Im Februar machten sich die schwachen Kapitalausgaben der Unternehmen sowie die zunehmende Kaufzurückhaltung der Bürger bemerkbar.

Auch die Einfuhren sanken so stark wie noch nie, allerdings war das Minus mit 43 Prozent geringer als bei den Ausfuhren. Der Handelsüberschuss sank damit im Vergleich zum Vorjahr um 91,2 Prozent auf 82,4 Milliarden Yen. Immerhin sind das seit fünf Monaten erstmals wieder schwarze Zahlen, nachdem Japan in den Monaten zuvor sogar Handelsdefizite verzeichnet hatte.

Der Handelsüberschuss mit den USA schmolz im Berichtsmonat um 79 Prozent und damit so schnell wie noch nie. Im Handel mit dem restlichen Asien schrumpfte Japans Überschuss um 59 Prozent. Sowohl die Exporte als auch die Importe sanken deutlich.

Im Handel mit China - ausgenommen Hongkong und Macao - verzeichnete Japan erstmals seit sechs Monaten wieder einen Überschuss, da die Importe stärker sanken als die Ausfuhren. Drastisch schrumpfte dagegen Japans Handelsüberschuss mit Europa - um 82 Prozent.

Die Börse in Tokio reagierte dennoch gelassen, Analysten hatten mit noch düstereren Zahlen gerechnet. Die meisten Experten gingen insgesamt von einem Handelsdefizit von 10,9 Milliarden Yen aus. Bei Börsenschluss notierte der Nikkei Chart zeigen bei 8480 Punkten - ein Minus zum Vortag von gerade einmal 0,1 Prozent.

Optimistische Chinesen

Zuversicht verbreitet unterdessen Japans schärfster Wirtschaftskonkurrent in Asien, die Volksrepublik China. Deren Wirtschaft hat nach den Worten von Zentralbank-Berater Fan Gang die Talsohle bereits erreicht. "Bevor es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht, muss sie die Talsohle erreichen. Ich glaube, dort ist sie dank des Konjunkturprogramms und angesichts von Zeichen der Wiederbelebung in einigen Branchen angekommen", sagte Fan am Mittwoch in Hongkong.

Ein Anstieg der Autoverkäufe um 25 Prozent und ein Anziehen der Investitionstätigkeit seien Zeichen für die wirtschaftliche Gesundung. Auch der Nachfragerückgang bei Stahl und Energie habe sich verlangsamt. Möglicherweise habe sich der Trend im März sogar umgekehrt. Auch das Verkehrswesen zeige Zeichen der Belebung.

Allerdings blieben hohe Lagerbestände und die Überproduktion in einigen Industriezweigen kurzfristig ein Risiko. Daher seien weitere Zinssenkungen möglich, sagte Fan. "Niemand sollte das ausschließen." Ein weiteres Absenken der Zinsen sei davon abhängig, wie sich Chinas Wirtschaft erhole und wie das staatliche Konjunkturprogramm wirke.

Die chinesische Regierung hat für dieses Jahr ein Wachstum von acht Prozent angepeilt. Das ist der niedrigste Wert seit 1999. Nach Einschätzung der Weltbank wird die chinesische Wirtschaft sogar nur um 6,5 Prozent wachsen. Angesichts eines erwarteten Negativwachstums in den meisten Industrienationen wäre dies allerdings immer noch beachtlich.

wal/dpa/Reuters



insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
capu65, 09.03.2009
1.
Zitat von sysopDie Exportnation Japan ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wie schlimm wird die Krise für das Industrieland?
Ein Land, welches wie Deutschland, von Autokonzernen abhängig ist, wird es sehr schwer haben. Aber die Frage an sich verstehe ich schon nicht mehr. SPON, wir haben eine Weltwirtschaftskrise, die schlimmste Rezession seit 80 Jahren. Was ist es da besonderes, wenn der Nikkei-Index auf den Stand von vor 26 Jahren abstürzt.
Hartmut Dresia, 09.03.2009
2.
Zitat von sysopDie Exportnation Japan ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wie schlimm wird die Krise für das Industrieland?
Japan ist mit seiner verlorenen Dekade und seiner aktuellen Situation eine Warnung und Mahnung für Deutschland, die ganz offensichtlich von Regierung und Parlament ignoriert wird. Studiert man die Entwicklung Japans, dann wird umso klarer: Wir brauchen dringend ein Soziales Konjunkturprogramm (http://www.plantor.de/2009/soziales-konjunkturprogramm-statt-not-und-realitatsverlust/).
mooksberlin, 09.03.2009
3. Armes Japan.
Zitat von sysopDie Exportnation Japan ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wie schlimm wird die Krise für das Industrieland?
Ich denke mal sehr schlimm. Ich habe insgesamt 8 Jahre in Japan gelebt und gearbeitet und mich immer gefragt wieso die Nation so wohlhabend und erfolgreich ist. Man hat jahrelang die Infrastruktur vernachlässigt, hat seine Märkte noch immer nicht geöffnet und die Managementstrukturen sind total veraltet. All das rächt sich jetzt, da man sich auf wenige Branchen ( Automobil/Unterhaltungselektronik/Maschinen) konzentriert hat und diese extrem vom Export abhängen. Zudem hat man der jungen Generation durch niedrige Löhne und Zeitvertäge keine Zukunft geboten und diese halten sich dementsprechend mit Ausgaben und Investitionen zurück. Die ältere Generation hat meist gute Ersparnisse, da man durch sparsames Leben und guten Verdienst ordentlich etwas zurücklegen konnte, doch auch sie konsumieren in Krisenzeiten weniger. Ein weiteres Handicap ist der erstarkte Yen, der japanische Waren im Ausland verteuert, wodurch Exporte nicht mehr konkurrenzfähig sind. Fazit, für Japan sehe ich sehr, sehr schwarz !
Erwartungswert 09.03.2009
4. Japan = Deutschland
Japan befindet sich auf direktem Weg in die Depression, und das wissen die Japaner auch - während sich in Deutschland immer noch eine Mehrheit in Verweigerungshaltung zu der bitteren Wahrheit befindet. Es ist nicht mehr die Zeit, Geld für sinnlose Konsumgüter aus dem Fenster zu werfen, sondern sich schleunigst auf Versorgungsengpässe einzustellen. Japan hat im Januar bereits fast 13% Rückgang der Wirtschaftsleistung auf Jahresbasis verzeichnet, und minus 46% bei Exporten die fast die Hälfte der Wirtschaft ausmachen. Nun, in Deutschland werden ähnliche Produkte hergestellt wie in Japan (Autos, Maschinen, Chemie - nur die Unterhaltungselektronik fehlt zum Glück), und man MUSS sich hier auf ähnlich verheerende Rückgänge in den nächsten Monaten einstellen, und das bedeutet Massenarbeitslosigkeit. Die Meldung von dem dramatischen 46% Prozent-Rückgang wurde ja von den deutschen Medien (Tagesschau etc) nur am Rande erwähnt, damit ja keine Sorge in der heiteren Karnevalszeit aufkommt... und die überraschung dann bald umso grösser ist (?!).
normalino 09.03.2009
5. Japans fragile Wirtschaft
Zitat von sysopDie Exportnation Japan ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wie schlimm wird die Krise für das Industrieland?
Die Wirtschaftskrise fördert weltweit nur zu Tage, was sich schon seit Jahren eingeschlichen hat. Viele Unternehmen habe eine viel zu dünne Kapitaldecke, so dass schon ein kleiner Umsatzeinbruch ausreicht, um das Unternehmen in die Insolvenz zu reiten. Börsenkurse sind immer nur nach oben getrieben worden, um Anleger glücklich zu machen und haben keinen wirklichen Gegenwert der jeweiligen Unternehmen dargestellt. Das alles hätte noch Jahre lang gut gehen können, aber die Wirtschaftskrise offenbart nun die Schwächen der Systeme und der einzelnen Unternehmen. Japan wird noch recht hart die Auswirkungen zu spüren bekommen, weil das Land und die Gesellschaft sich langsamer entwickelt haben als die Aktienkurse, vielleicht könnte dieses Land von allen Industrienationen sogar am fatalsten betroffen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.