Weltwirtschaftskrise OECD schreibt 2009 ab

Die Aussichten auf ein schnelles Ende der globalen Konjunkturflaute trüben sich weiter ein. Nach Weltbank und Währungsfonds rechnet nun auch die OECD mit einem Schrumpfen der Weltwirtschaft im laufenden Jahr. Die Hoffnungen liegen jetzt auf China.


Peking/Brüssel/Berlin - Der globale Abschwung setzt sich fort: Erstmals seit 60 Jahren wird die Weltkonjunktur nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2009 schrumpfen.

Autoexport: "Wir brauchen ein paar Lokomotiven"
AP

Autoexport: "Wir brauchen ein paar Lokomotiven"

Auch das erwartete Wachstum von China und Indien werde den voraussichtlichen Negativtrend nicht aufhalten können, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría am Freitag vor Journalisten in Peking. Nach Angaben der Weltbank kann China 2009 auf ein Wachstum von 6,5 Prozent hoffen - bislang lagen die Schätzungen bei 7,5 Prozent. 2008 war die chinesische Wirtschaft noch um neun Prozent gewachsen, im Vorjahr um 13 Prozent.

OECD-Generalsekretär Gurría äußerte die Hoffnung, dass das Ende vergangenen Jahres angekündigte Konjunkturprogramm für China in Höhe von 586 Milliarden Dollar die Nachfrage im bevölkerungsreichsten Land der Erde ankurbeln und so die weltweite Krise mildern werde. Er wünsche, dass das Paket "so erfolgreich wie möglich" ausfallen werde, sagte Gurría. "Wir brauchen ein paar Lokomotiven - unsere alten sind alle in der Werkstatt."

Die düsteren Prognosen der OECD folgen auf entsprechende Aussagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Beide Institutionen hatten bereits vor einem Rückgang der Weltwirtschaft gewarnt.

Deutschland leidet unter Exportschwund

Auch in Deutschland ist ein Ende des Abschwungs nicht in Sicht. Die Konjunkturindikatoren zeigten mehrheitlich eine weitere Verschlechterung gegenüber dem vierten Quartal 2008 an, heißt es in dem am Freitag vorgelegten Monatsbericht des Finanzministeriums. Die Exporte gingen demnach massiv zurück, auf dem Arbeitsmarkt hinterlasse die Rezession immer deutlichere Spuren.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte ebenfalls vor der Gefahr einer längeren Rezession. "Solange wir den Boden noch nicht sehen können, gibt es keinen Anlass zur Entwarnung", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel der "Bild"-Zeitung. "Die Gefahr, dass wir in eine längere Rezession rutschen, ist nicht völlig auszuschließen." Die Vorstellung, schnell aus der Krise herauszukommen, sei eine Illusion.

EU einigt sich auf Konjunkturprogramm

Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage forciert die EU ihre Maßnahmen gegen die Krise. Die Mitgliedstaaten haben sich nach monatelangem Ringen auf eine zusätzliche Konjunkturspritze von fünf Milliarden Euro geeinigt.

Wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Donnerstagabend mitteilte, sollen nur Maßnahmen finanziert werden, die noch 2009 oder 2010 realisiert werden. "Das ist ja nur vernünftig, weil dieses Geld die Konjunktur stimulieren soll", sagte Barroso. Ursprünglich war in dem von Barroso vorgelegten EU-Plan ein wesentlich längerer Zeitraum bis 2013 vorgesehen.

Einhellig lehnten die 27 EU-Staats- und Regierungschefs dagegen neue nationale Konjunkturpakete gegen die Krise ab. Barroso, Merkel und andere Politiker verwiesen auf die bereits beschlossenen 200 Milliarden Euro der Mitgliedstaaten.

suc/AFP/dpa-AFX/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.