Weniger Einnahmen Krankenversicherer warnen vor gigantischem Defizit

Die Arbeitslosigkeit steigt, die Kassenbeiträge sinken - angesichts der zusehends prekären Finanzlage bei den Krankenversicherungen schlägt die DAK jetzt Alarm: Dem Gesundheitssystem droht demnach ab 2010 ein Defizit von bis zu elf Milliarden Euro. Kassenpatienten müssen mit Zuschlägen rechnen.


Berlin - Bei der gesetzlichen Krankenversicherung tut sich ein Milliardenloch auf: Das Defizit wird laut der Ersatzkasse DAK im kommenden Jahr auf bis zu elf Milliarden Euro hochschnellen. Um die Löcher zu stopfen, müssten die Kassen voraussichtlich "flächendeckend Zusatzbeiträge" einführen, sagte DAK-Chef Herbert Rebscher der "Rheinischen Post".

Versichertenkarte: Zusatzbeiträge für Kassenpatienten
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Versichertenkarte: Zusatzbeiträge für Kassenpatienten

Schon in diesem Jahr wird die Situation der DAK zufolge deutlich schwieriger: Die Kassen hätten drei Milliarden Euro weniger, als sie bräuchten, sagte der Kassenmanager. "Da sich die Situation am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr deutlich zuspitzt, könnte das System schon 2010 mit bis zu elf Milliarden Euro unterfinanziert sein." Das Geld müsse dann voraussichtlich an anderer Stelle wieder reinkommen - in Form von Zusatzbeiträgen.

Zusatzbeiträge müssen die Krankenkassen erheben, wenn sie mit der Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen. Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung hatte für kommendes Jahr flächendeckende Zusatzbeiträge vorausgesagt.

Das Gesundheitsministerium wies die Darstellungen der DAK umgehend als "Kassandra-Ruf" zurück. Die Krankenkassen seien gut aufgestellt, erklärte Staatssekretärin Marion Caspers-Merk. Sie räumte dennoch ein, dass sich die Krise auch auf die Sozialversicherungen auswirken werde. "Allerdings erwarten wir von gut bezahlten Kassenmanagern, dass sie ihren Job machen und ordentlich mit den Beitragsgeldern wirtschaften." Die Regierung habe mit dem Gesundheitsfonds für Sicherheit und Krisenfestigkeit für die Kassen gesorgt: "Die ewigen Kassandra-Rufe von Kassenchefs wie Herrn Rebscher bringen gar nichts."

Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einem Defizit im Gesundheitsfonds von 2,9 Milliarden Euro - das jedoch mit einem Darlehen gedeckt werden soll. Für das kommende Jahr befürchten die Kassen noch höhere Ausfälle im Fonds. Letztlich müssen die von Krediten abgedeckten Minusbeträge von den Kassen und ihren Mitgliedern beglichen werden.

Auch die Private Krankenversicherung steht zunehmend unter finanziellem Druck, wie PKV-Direktor Volker Leienbach im "Tagesspiegel" einräumte: "Wir haben ein Kostenproblem, keine Frage." Während die gesetzlichen Kassen Kostendämpfung betrieben, hätten die Privaten "nur wenig Mittel, um auf Qualität, Mengen und Preise Einfluss nehmen zu können".

Leienbach forderte mehr Freiheit beim Aushandeln von Arzthonoraren. "Wir wollen die Möglichkeit haben, über Qualität zu reden, über Mengen und auch über die Bezahlung." Auf die Frage, ob die Versicherer mit den Öffnungsklauseln Preise drücken wollten, sagte er: "Es wird Fälle geben, wo wir feststellen, dass Preise nicht angemessen sind. Es mag auch Fälle geben, wo wir zu einer Aufwertung kommen." Wichtig sei zudem, "Tendenzen zu willkürlicher Mengenausweitung, sprich Verschwendung" gegenzusteuern.

yes/AP



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